Kleine Leutchen kommen groß ‘raus

„Rast vor dem Bergbaumuseum: „Endlich am Ziel“ hat die Fotografin diese Inszenierung genannt.
„Rast vor dem Bergbaumuseum: „Endlich am Ziel“ hat die Fotografin diese Inszenierung genannt.
Foto: Sabine Erfel
Sabine Werfel inszeniert mit Minatur-Figuren vor originalen Kulissen witzig-verspielte Fotowelten.

Bochum. Ermattet, aber zufrieden kommt die Wandergruppe samt Hund in Bochum an und genießt den Blick auf das Bergbaumuseum mit seinem markanten Fördergerüst. So weit, so gut. Doch halt: irgendwas stimmt doch nicht auf dem Foto? – Dass man stutzt beim Betrachten der Aufnahme, ist allerdings Absicht. Sabine Werfel, die Fotografin, mag es, mit ihren Bildern Aha-Effekte zu schaffen.

Denn die Wandersleut’ sind keine echten Menschen, sondern Miniaturfiguren, wie man sie normalerweise auf der Modelleisenbahnplatte erwartet. Das Bergbaumuseum aber ist echt. Aus genau dieser Spannung zwischen Klein und (Riesen)-Groß bezieht die Aufnahme ihren Reiz.

Inszenierte Welten

„Small people’s world“ nennt die Fotografin ihren künstlerisch-kreativen Ansatz. Die Welt der kleinen (Mini)-Menschen. „Vor einigen Jahren habe ich die inszenierten Bilder des Fotografen Slinkachu gesehen, der mit dieser Art von Fotografie weltberühmt geworden ist. Davon habe ich mich inspirieren lassen“, sagt die 51-Jährige. Slinkachu, der britische Streetart-Künstler, Fotograf und Blogger, installiert bereits seit 2006 seine „Little People“ an verschiedenen Stellen Londons.

Freude am Ausprobieren

Die Idee ist also nicht neu, aber seit drei Jahren macht die in Wanne wohnende Werfel – im Hauptberuf Erzieherin – daraus ihr eigenes „Ding“. Wie das aussieht, lässt sich aktuell in der Sold Out Gallery in der Innenstadt auskundschaften, die eine Auswahl von Werfel-Fotos zeigt. Die Fotografien bezeichnet sich selbst als experimentierfreudig und auch als „lernfähig“. „Inzwischen habe ich mir auch all das technische Wissen angeeignet, das für die Miniaturfotos nötig ist“, sagt sie. Am Computer werden alle Aufnahmen nachgearbeitet, speziell die Tiefenschärfe ist knifflig – scharfer Vordergrund, unscharfer Hintergrund. Manchmal gar nicht so einfach, das hinzukriegen.

Auch Außen-Aufnahme sind nicht ohne, „obwohl mir das richtig Spaß macht“, wie Werfel sagt. Denn wenn sie ihre Mini-Männchen und -Frauchen postiert, und vom Boden aus die passenden Perspektive checkt, wird sie oft von Passanten angesprochen. „Fast alle finden das super, und sind interessiert zu sehen, was ich da treibe“, sagt Sabine Werfel.

Zuhause geht es bei den Aufnahmen in der Regel ruhiger zu, etwa, wenn Werfel ihre kleinen Figuren beim Kuchenbacken oder beim Hausputz groß ‘raus kommen oder als Bergsteiger eine Banane erklimmen lässt. Sabine Werfels Fotos sind witzig und clever zugleich. Und darin der Fotografin selbst nicht unähnlich.

 
 

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