Kleine Läden sind Ladenhüter

Sabine Vogt
In der Stadtbadgalerie gibt es im Erdgeschoss noch Leerstände; generell hat sich die Innenstadt erholt. Foto: Karl Gatzmanga
In der Stadtbadgalerie gibt es im Erdgeschoss noch Leerstände; generell hat sich die Innenstadt erholt. Foto: Karl Gatzmanga
Foto: WAZ FotoPool

Bochum. Auch auf den kritischen zweiten Blick fällt auf: Die Bochumer Innenstadt krankt längst nicht mehr so stark an Tristesse durch leerstehende Ladenlokale wie etwa noch vor zwei Jahren. Der Einzelhandel bekrabbelt sich allmählich nach der Wirtschaftskrise.

Natürlich gibt’s nach wie vor kurzfristige Zwischenmieter, die das Kommen und Gehen auch in der 1A-Lage Kortum-straße prägen, also etwa Ein-Euro-Shops, Nagelstudios und Handyläden.

Gleichzeitig aber haben sich renommierte Firmen etablieren können, bei denen Stabilität wahrscheinlicher ist, wie Butlers und Zoo Papesch an der unteren Kortumstraße. Dieser Straßenabschnitt galt lange als besonders problematisch, hier gab’s häufiger Mieterwechsel als anderswo.

Stadtbadgalerie ist nicht mehr trostlos

Stabilisiert hat sich auch die Bongard-/Massenbergstraße. Der Abschnitt nach dem „Knick“ in Richtung Hauptbahnhof fällt dagegen scharf ab durch Dönerbuden und Billiganbieter. Die Stadtbadgalerie ist noch nicht voll vermietet, doch dank großer Neunutzer nicht mehr ganz so trostlos.

„Die Entwicklung war in den letzten Jahren positiv. Toll entwickelt haben sich Hue-straße und Boulevard, wo Handel und Dienstleistung zu einer deutlichen Aufwertung geführt haben“, so schätzt Stefan Postert von der IHK die Lage ein. Auch die untere Kortumstraße habe sich gemausert und damit auch der Brückstraße mehr Frequenz beschert. Zuletzt hat sich der VfL-Lagerverkauf an der Brückstraße eingemietet; und wo ein Asia-Laden schließen musste, hat an gleicher Stelle ein neuer geöffnet.

Bochum hatte laut IHK nach der letzten Erhebung vor sechs Monaten eine verkaufsflächenbezogene Leerstandsquote von acht Prozent und liegt damit im Durchschnitt, nicht mehr darüber.

Sonja Pichler, seit wenigen Monaten neue Center-Managerin von Citypoint und Drehscheibe, teilt eine Sorge mit ihrem Vorgänger: In der Drehscheibe stehen seit zwei Jahren 150 Quadratmeter in der ersten Etage leer; zuletzt gab’s hier einen Geschenkartikelanbieter. „Wir hoffen, bis Ende des Jahres endlich einen Mieter zu finden. Doch es ist sehr schwer, Interessenten für kleine Flächen zu gewinnen.“

Dem Brückviertel fehlt ein Konzept

Das gelte auch für Ladenlokale gegenüber im Citypoint, die in der zweiten und dritten Etage leer stehen. „Wir haben ständig Nachfragen für 800 Quadratmeter aufwärts, die wir nicht bieten können.“ Dennoch wäre sie flexibel und könnte sich unter anderem auch vorstellen, mehrere kleine Flächen für Großnutzer zusammenzulegen.

Marion Runge vom Einzelhandelsverband stellt fest: „Es hat sich in der Innenstadt etwas bewegt. Man spürt, dass nach der Krise ein bisschen Aufbruchstimmung aufkam. Im Brückviertel sind die meisten Leerstände neu vermietet. Für die wenigen noch vorhandenen gibt’s die Idee, Kunst zu installieren, um keine leeren Schaufenster zu haben.“ Dennoch fehlte im Viertel ein Konzept. Ehedem sollte es als Möbelmeile konzipiert werden, doch als das große Möbelhaus als Magnet an der Ecke Brückstraße/Hans-Böckler-Straße zu Gunsten eines Fahrradladens abzog, war es auch vorbei mit der Meile.

Marion Runge bedauert es, dass der Handel in der Fußgängerzone insgesamt in eine Art Starre verfallen sei in Erwartung dessen, was an der Viktoriastraße kommen wird. „Keiner traut sich noch raus, keiner prescht vor, um jetzt zu investieren und der Neunutzung früh zu begegnen.“ Dabei sei Abwarten genau der falsche Weg. Marion Runge: „Wenn die Inhaber und Mieter in der jetzigen Fußgängerzone und ringsum erst dann Geld in die Hand nehmen, wenn der künftige Standort Viktoriastraße konzeptionell festgezurrt ist, kann es zu spät sein.“