Kleine Firmen drehen mit am großen Rad

Lösungen für die Herstellung von Teilen, die in der Autoindustrie oder in der Medizintechnik benötigt werden, tüftelt Heinz-Jürgen Gaedigk mit seiner Firma aus.
Lösungen für die Herstellung von Teilen, die in der Autoindustrie oder in der Medizintechnik benötigt werden, tüftelt Heinz-Jürgen Gaedigk mit seiner Firma aus.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Heimische Unternehmen präsentieren sich beim CAR-Symposium mit ihren Ideen und Produkten. Die Themen der Zukunft: E-Mobilität und Datensicherheit.

Bochum. Es kann schon sein, dass im Laufe des Tages Mercedes-Chef Dieter Zetsche oder General-Motors-Managerin Mary Barra am Gemeinschaftsstand der Wirtschaftsentwicklung Bochum und einiger heimischer Firmen vorbeigeschaut haben. Die Spitzen zweier großer Autokonzerne waren schließlich gestern zu Gast beim 16. CAR-Symposium im Ruhrcongress. Wichtiger noch aber als eine Stippvisite inklusive PR-Foto mit einem Promi der Automobilwirtschaft sind Anbahnungsgespräche und Kontakte mit auftragbringender Aussicht. Und die hat es durchaus gegeben.

„Eben gerade habe ich eines geführt“, sagt Hans-Jürgen Gaedigk. Der Interessent, ein großer deutscher Konzern, könnte der Gaedigk Feinmechanik und Systemtechnik GmbH einen lukrativen Auftrag bescheren. Genau darum geht es letztlich bei einer Fachmesse wie dem CAR-Symposium: sehen und gesehen werden, Kontakte knüpfen und Kontakte ausbauen.

"Die Geschäfte laufen ganz gut"

Für Heinz-Jürgen Gaedigk ist das Branchentreffen von Autoherstellern und Zulieferern geradezu eine Pflichtveranstaltung. Sie gehören vornehmlich zu seinen Kunden und sorgen mit der ständigen technologischen Entwicklung auch für neue Anforderungen an die Montagevorrichtungen, die Gaedigk produziert. „Die Geschäfte laufen ganz gut“, sagt der 53-Jährige mit einem gewissen Understatement. Sie müssen ziemlich gut laufen. Schließlich hat er für 330.000 Euro eine Maschine angeschafft, um die ausgelastete Produktionskapazität zu erhöhen. Zu seinen Kunden gehört neben einem großen Zulieferer wie Continental auch ein junge, kleine Firma wie Auktora; einem von zehn Kunden allein aus Bochum.

Das junge Unternehmen, eine Ausgründung aus der Hochschule, ist zum zweiten Mal beim CAR-Symposium dabei und präsentierte erstmals einen eigenen Motor. „Wir sind Ingenieurdienstleister“, sagt Mitgründer und Mitgeschäftsführer Tim Kohlmann. „Aber eigentlich möchten wir ein Technologie-Unternehmen sein.“ Und als solches wollen die Bochumer eben nicht nur Lösungen nach Auftrag bis zur Produktionsreife erarbeiten, sondern die Produktion gleich mit anbieten. Vorzugsweise im Verkehrssektor – und vorzugsweise für die E-Mobilität. Hergestellt haben sie ihren für Kleinfahrzeuge geeigneten Motor in der eigenen Werkstatt und demonstrieren damit, dass sie nicht nur gute Lösungen denken, sondern auch umsetzen können.

Hohe Markteintrittshürde

Gut ein Jahr nach der Firmengründung haben Kohlmann und seine Kompagnons indes auch festgestellt, dass es nicht einfach ist, in der Branche Fuß zu fassen. „Die Markteintrittshürde für Deutschland ist hoch.“ Anders etwa als in China, nach Fernost gebe es derzeit intensive Kontakte.

Neu in der Branche und überhaupt zum ersten Mal beim CAR-Symposium dabei ist G Data. „Ich bin erstaunt über die Größe“, räumt Sprecher Thorsten Urbanski ein. Sein Arbeitgeber betritt völlig neues Terrain, sieht aber angesichts automobiler Themen wie „connected car“ – dem vernetzten Fahrzeug – einen neuen, lukrativen Markt am Horizont. Wenn Fahrzeuge, selbstfahrend oder fahrergesteuert, untereinander und/oder mit Datenbanken, Satelliten oder anderem verbunden sind, stellt sich schnell die Frage nach Datensicherheit und -schutz – genau das ist das Metier der Softwareschmiede aus Wiemelhausen. „Am Ende ist ein Auto dann für uns auch nur ein Computer“, so Urbanski.

 
 

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