Keine Sex-Lokale im Bermuda-Dreieck in Bochum

Rolf Hartmann
Umgestaltung am Bermudadreieck. Gegenüber des Kultlokals Mandragora ist die Baustelle des Parkhauses P8 zu sehen. Das Bermudadreieck will innovativer werden. Foto: Karl Gatzmanga
Umgestaltung am Bermudadreieck. Gegenüber des Kultlokals Mandragora ist die Baustelle des Parkhauses P8 zu sehen. Das Bermudadreieck will innovativer werden. Foto: Karl Gatzmanga
Foto: WAZ FotoPool
Im Bermuda-Dreieck wird man keine Sexlokale finden, aber auch keine Niederlassung einer Systemgastronomie wie Hooters. Das Viertel soll sich weiter profilieren - dazu haben Stadt und Bermuda-Dreieck-Unternehmer nun eine Vereinbarung getroffen.

Bochum. Bermuda-Dreieck: Es ist 12 Uhr mittags, die Sonne lächelt milde zwischen den Lokalen wie „Mandragora“ und „Extrablatt“. Die flotte Kellnerin vom „Mississippi“ verteilt Sitzkissen auf die Stühle draußen, nebenan geben sich einige die Currywurst, gucken, was in den Kinos Union und Casablanca läuft. Es riecht nach Sommer, Sonnenmilch und Frittenöl. Manche im Bermuda-Dreieck denken schon an Weihnachten.

Denn jetzt ist es amtlich: Ab 2011 darf auf dem Engelbertplatz die Halterung für einen „massiven Weihnachtsbaum“ angebracht werden. Dieser eher gemütvolle Zugewinn ist Teil eines Paktes, den die Stadt Bochum jetzt im Hauptausschuss mit der Immobilien- und Standortgemeinschaft Bermuda-Dreieck besiegelte, die sich selbst übrigens ISG Bermuda3Eck schreibt.

Kein Sex im Bermuda-Dreieck

Kein Sex im Bermuda-Dreieck: Einschlägige Etablissements wird man auch künftig an dieser trubeligen Stelle der Innenstadt nicht aufspüren können, bestätigte Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch im Gespräch mit der WAZ offenbar ohne Bedauern. „Nach der Schließung von Hooters ist auch kein Angriff der Systemgastronomie mehr zu erwarten“, sagte er im Hinblick auf die großen Imbiss-Ketten. Stattdessen soll der Branchenmix so prall werden, dass „Tendenzen einer Banalisierung“ erstickt werden. Ziel ist, das Viertel weiter zu profilieren und den Bekanntheitsgrad des Dreiecks zwischen Konrad-Adenauer-Platz („KAP“), Südring, Brüder- und Viktoriastraße zu steigern.

Das Ringen um noch mehr Vielfalt zeigt sich beim Neubau von Parkhaus 8 am KAP. Da habe es ein langes Gerangel um die Ladennutzung in der Vorderfront des „Rundlings“ gegeben, wie Kratzsch es nennt. Manche wollten dort einen „Nachtfrisör“ installieren, den Zuschlag bekam ein Ausstattungsgeschäft mit Sachen für junge Leute, „vom Surfbrett bis zu Klamotten“.

Man hätte auch einen Lebensmittelmarkt dort haben können, aber das fiel durch. „Mit Lidl und Rewe ist das Angebot ausreichend“, findet der Stadtbaurat. Und kündigt an, dass die neue KAP-Bühne im Sommer fertig sein wird und man im Winter mit dem Ausbau des Konrad-Adenauer-Platzes beginnen wird.

Bunte Vielfalt im Dreieck

Im Bermuda-Dreieck wird nicht nur fröhlich getafelt, abgesehen von der üppig präsenten Gastronomie und den Kinos gibt es auch ganz andere Attraktionen. Foto Hamer etwa, die Buchhandlung Janssen, der Fahrradladen sowie Geschäfte für Schmuck, Plakate und Reisen. Drei Millionen Gäste kommen pro Jahr ins Bermuda-Dreieck. Dieses Kapital will die Stadt als Wirtschaftsfaktor pflegen. Auch wenn man zur Zeit kein Geld habe, wolle man Privatinitiativen nach Kräften fördern, über Planungen etwa frühzeitig die Leute von der ISG informieren. Auch das wurde schriftlich vereinbart.

Es geht nicht nur um Details wie Beleuchtung, Bepflanzung und Hinweisschilder, sondern auch um Stadtentwicklung. Die „Aufwertung der Viktoriastraße als zentrale Achse im Viktoria-Quartier und Bermuda-Dreieck“ liegt der Stadt zwar dicht am Herzen, aber auch auf Eis, weil noch kein öffentliches Geld dafür da ist. Bekanntlich ist längs der Viktoriastraße das Musikzentrum in Verbindung mit der Marienkirche geplant, unweit davon ein opulentes Kreativviertel.

So geht es jetzt mehr um Blumenkübel, Windschutzwände für die Biergärten oder die Umbenennung der Stadtbahnstation Engelbertbrunnen in „Bermuda3Eck“.

Denn der Brunnen ist längst schon weg.