Karussells auf Historischem Jahrmarkt in Bochum droht die Verschrottung

Der Historische Jahrmarkt lockt ab dem nächsten Wochenende wieder in die Jahrhunderthalle.
Der Historische Jahrmarkt lockt ab dem nächsten Wochenende wieder in die Jahrhunderthalle.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Bereits zum siebten Mal wird am nächsten Wochende beim Historischen Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle Bochum die Zeit um mehr als ein Jahrhundert zurück gedreht. Das älteste Fahrgeschäft stammt aus dem Jahr 1878. Doch neue EU-Sicherheitsrichtlinien bedrohen die alten Karussels, die bei einer Durchsetzung verschrottet werden müssten.

Bochum. Für die immer kärglichere Kirmes auf dem Festplatz an der Castroper Straße sieht er keine Zukunft: „Die sollte man weglassen“, sagt Albert Ritter. Der Historische Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle indes sei „ein Erfolgsmodell“, lobt der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes.

Zum siebten Mal bildet das Industriedenkmal die Kulisse für den europaweit größten Hallen-Jahrmarkt mit historischen Fahrgeschäften. Vor sieben Jahren hatten die NRW-Kirmesbeschicker die Jahrhunderthalle für ihren Jahresempfang ausgeguckt. Schnell war klar: Hier wäre auch der ideale Ort für eine Zeitreise: für einen Rummelplatz, wie er im 19. und 20. Jahrhundert im Rahmen kirchlicher Feste (Kirmes kommt von Kirchmesse) zu finden war.

Schaustellerfamilien aus ganz Deutschland machten sich daran, ihren vor einer halben Ewigkeit ausgemusterten Karussells neues Leben einzuhauchen. Ein Dutzend der Fahrgeschäfte dreht sich seit 2008 in der Jahrhunderthalle. Über 15.000 Besucher strömen herbei, seitdem die Kirmes 2012 auf drei Wochenenden ausgeweitet wurde.

Neue Party im 50er-Jahre-Stil

Ältestes Prunkstück ist ein wunderschönes Pferdekarussell aus dem Jahr 1878. Einmalig sind auch ein Riesenrad Baujahr 1884, ein Kettenflieger und eine Raupe von 1926 (mit Original-Faltverdeck!) und ein Spiegelkabinett aus den 1920er Jahren. Gleichfalls einen großartigen Kontrast zu den High-Tech-Geräten, die die Meister des organisierten Erbrechens auf den heutigen Kirmessen rotieren lassen, bildet ein Autoscooter („Der Selbstfahrer“) von 1950.

Wie in den Vorjahren steigt auf dem Jahrmarkt eine Party für Schwule, Lesben und deren Freunde. Aus dem „Pink Monday“ wird dabei der „Pink Friday“: Gefeiert wird diesmal am Freitag, 7. Februar. Partner ist die Diskothek „Stargate“. Neu ist eine 50er-Jahre-Party. Am Freitag, 14. Februar, erklingt „Rock’n’Roll anne Raupe“ mit Petticoats und Pomade. Der TTC Rot-Weiß-Silber tanzt mit.

EU-Sicherheitsnormen nedrohen alte Karussels

„Zurück in die Zukunft“, soll es auch in den nächsten Jahren heißen. Es sei denn, die EU bremst die Schausteller aus. Strengere Sicherheitsnormen, berichtet Albert Ritter, sollen in Deutschland („und nur hier“) nicht mehr nur für neue Fahrgeschäfte, sondern auch für alte Karussells gelten. Den Schnauferln von anno dazumal würde das Aus drohen. Der Schaustellerverband hat Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt und fordert eine Ausnahmeregelung. Ritter: „Wird die Norm umgesetzt, müssten die meisten historischen Fahrgeschäfte verschrottet werden.“

 
 

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