JVA Bochum bekommt mit Thomas König wieder einen neuen Chef

Bernd Kiesewetter
Thomas König wird Leiter der JVA Bochum, die zuletzt durch eine Ausbruchsserie Negativschlagzeilen machte.
Thomas König wird Leiter der JVA Bochum, die zuletzt durch eine Ausbruchsserie Negativschlagzeilen machte.
Foto: WAZ FotoPool
Die JVA Bochum bekommt mit Thomas König einen neuen Leiter. Uwe Nelle-Cornelsen (49) geht nach zehnmontiger Amtszeit als kommissarischer Leiter zurück zur JVA Bielefeld-Senne. Sein Nachfolger war bisher stellvertretender Leiter der JVA Werl. Die JVA Bochum war bis Februar 2012 durch eine Ausbruchsserie in die Schlagzeilen geraten.

Bochum.  Das Bochumer Gefängnis erhält einen neuen Leiter. Wie das NRW-Justizministerium am Montag auf WAZ-Anfrage mitteilte, wird ab Januar der stellvertretender Leiter der JVA Werl, Thomas König (53), die Leitung in Bochum übernehmen.

Das Gefängnis in Werl (rund 850 Gefangene) zählt zu den großen Haftanstalten in Deutschland. Viele Schwerverbrecher sind dort eingesperrt.

Der bisherige kommissarische Leiter der JVA Bochum, Uwe Nelle-Cornelsen (49), kehrt nach zehnmonatiger Amtszeit zurück an seinen vorherigen Arbeitsplatz als Leiter der JVA Bielefeld-Senne, eine Anstalt überwiegend für den offenen Vollzug (1700 Häftlinge). In der Bochumer Krümmede, wie die JVA auch genannt wird, sitzen zurzeit 718 Häftlinge ein.

Die JVA Bochum war zuletzt durch eine spektakuläre Ausbruchsserie landesweit in die Schlagzeilen geraten. Zwischen Januar 2011 und Anfang 2012 hatten fünf Häftlinge fliehen wollen, darunter ein gefährlicher Schwerverbrecher (50) in einer lebensgefährlicher Kletteraktion auf dem Dach.

Drei scheiterten oder wurden relativ schnell wieder gefasst. Zwei jedoch sind bis heute verschwunden - einer (26) gelangte nach einer halsbrecherischen Kletteraktion in die Freiheit (21. Januar 2011), ein anderer (35) nutzte im August 2011 bei einem bewachten Familienbesuch eine Gelegenheit zur Flucht. Justizminister Thomas Kutschaty warf dem damaligen Anstaltsleiter Friedhelm Ritter von Meißner (65) schwere Fehler vor und setzte ihn in Bochum nach nur 13 Monaten im Amt ab.

Eisengitter wurden in JVA Bochum durch Manganstahl ersetzt

Mit Thomas König könnte jetzt wieder mehr Konstanz in die Führung der Krümmede kommen. Der Neue, ein gelernter Rechtsanwalt, kennt den Strafvollzug wie aus dem Effeff.

Schon 19 Jahre arbeitet der Werler in der dortigen JVA, davon zwölf Jahre als stellvertretender Leiter. Bochum, sagte er am Montag der WAZ, sei für ihn „eine neue Herausforderung“. Für den Posten hat er sich selbst beworben. Am Wochenende erfuhr er von seiner Ernennung. Es ist für ihn ein Karrieresprung. Am 2. Januar wird er seinen ersten Arbeitstag in der Krümmede haben.

Sein Vorgänger Nelle-Cornelsen wird am 21. Dezember seinen Schreibtisch räumen. Dort hatte er Berge an Arbeit abzutragen gehabt. Wegen der Fluchtaktionen musste er fast 100 neue Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, von denen fast alle erledigt sind.

Es gab viele Änderungen in der Verwaltung, im internen Arbeitsablauf, beim Personal, beim Schließsystem und im baulich-technischen Bereich. Zum Beispiel wurden bereits fast alle alten Eisengitter durch Manganstahl ersetzt. Die Häftlinge haben sie selbst in einer JVA-Werkstatt erstellt, sagt Nelle-Cornelsen.

[kein Linktext vorhanden]Die Endabnahme erfolgte natürlich durch das Personal. Auch die Mauerkronensicherung wurde komplett erneuert und besser gesichert.

„Ich bin froh, dass ich wieder nach Hause darf“

Nelle-Cornelsen verabschiedet sich aus Bochum auf eigenen Wunsch. 3,5 Stunden musste er täglich zur Arbeit zwischen seiner Familie in Ostwestfalen und Bochum pendeln. Die Arbeit in Bochum sei mit „erheblichen Anstrengungen“ verbunden gewesen. „Ich bin froh, dass ich wieder nach Hause darf“, sagte er am Montag der WAZ. In seiner Amtszeit konnte kein Häftling mehr aus Bochum fliehen. „Toi, toi, toi“, sagte der JVA-Chef.