Jugendliche sehen im Workcamp ihre Kultur mit anderen Augen

Das Leben ist schön. In den kommenden Wochen erfahren die Jugendlichen, was den Menschen andernorts wichtig ist.
Das Leben ist schön. In den kommenden Wochen erfahren die Jugendlichen, was den Menschen andernorts wichtig ist.
Foto: Joachim Haenisch
Sechs Jugendliche aus Bochum und Umgebung reisen für zwei Wochen in das türkische Dorf Civril. Der Beginn eines dreijährigen Austausches.

Bochum.. Nicht erst seit der Griechenland-Krise schreien Kritiker nach der Auflösung der europäischen Union. Das europäische Workcamp-Programm ewoca³ (+), initiiert von der Internationalen Bildungs- und Begegnungswelt, setzt ein Zeichen gegen diesen Trend. Mithilfe der Mercator-Stiftung wird das vom Bund und Landesministerium geförderte Projekt zum dritten Mal anlaufen. Sechs Jugendliche aus Bochum machten sich am Dienstag auf die Reise nach Civril in der Türkei. Es ist der Beginn eines dreijährigen Austausches mit den Partnern aus der Türkei und Bosnien-Herzegowina.

Jan-Lucas Hungerige war schon im Mai in Bosnien. „Jetzt wollte ich noch einmal mitmachen. Es macht Spaß, die Leute und Kulturen kennenzulernen.“ Der 24-Jährige wird mit Ronja Wilhelms, Vanessa Appel, Andreas Höft und Paula-Radon Krauß im 18 000 Einwohner-Dorf Civril auf etwa gleich viele Jugendliche aus den Partnerländern treffen. Gemeinsam werden sie Restaurationsaufgaben übernehmen, Nachhaltigkeitsprojekte umsetzen und ihre Ergebnisse einem öffentlichen Publikum vorstellen.

Vorurteile überdenken

Sprachbarrieren überwinden, Vorurteile überdenken – das Workcamp hat eine pro-europäische Zielsetzung, findet Torsten Rutinowski vom Jugendamt Bochum. „Die Jugendlichen können Missverständnisse leichter identifizieren und ändern. Das Workcamp hilft, die eigene Kultur mit anderen Augen zu sehen.“ Aus den zwei Wochen würden sie selbstbewusster hervorgehen und – so war es in der Vergangenheit – mit den neu gewonnenen Freunden in Kontakt bleiben, bis das nächste Workcamp stattfindet. Auf drei Jahre ist das Camp angelegt. Jedes Land besucht einmal das Partner-Land. So können Vorbehalte leicht abgebaut werden.

Sprachunterricht in Theorie und Praxis

Die interkulturellen Konflikte während der Zeit stärken die Jugendlichen. Mit einer Mischung aus Theorie und Praxis sollen Sprachen gelernt, Kontakte geknüpft und ökologische Nachhaltigkeit praktiziert werden. Betreuerin Janina Dannert: „Ich finde es toll, was sich da entwickelt. Jeder macht eine persönliche Entwicklung durch. Diese Emotionen sind oft kreativ und lustig.“ Vor den zwei Wochen, weiß Dannert zu berichten, wäre „alles blöd“, doch am Ende würden beim Abschied die Tränen fließen. Gelacht wird dabei auch: Die Jugendlichen müssen das Erlebte und Erschaffene auf der Bühne kreativ umsetzen. Vor den Bürgern von Civril.

 
 

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