Jüdische Gemeinde ehrt Bienert

Erhielt in der Bochumer Synagoge die Dr.-Ruer-Medaille: Hans Bienert (85).
Erhielt in der Bochumer Synagoge die Dr.-Ruer-Medaille: Hans Bienert (85).
Foto: Haenisch / waz fotopool
Erst zum vierten Mal zeichnete die jüdische Gemeinde Bochum/Herne/Hattingen eine Person aus der nichtjüdischen Öffentlichkeit mit der Dr.-Ruer-Medaille aus. Geehrt wurde Hans Bienert (85) für seinen unermüdlichen Kampf gegen das Vergessen.

Bochum. Da kommt Hannes Bienert. Unverkennbar mit seinen schlohweißen Haaren. Er trägt ein leuchtend rotes Jackett. Auch mit 85 Jahren lässt er sich nicht verbiegen. Zwischen all den Honoratioren in eher gedeckter Festgarderobe, die an diesem Abend in der Synagoge erschienen sind, wirkt er ein wenig wie ein Fremdkörper. Und doch ist er die Hauptperson. Mit der Dr.-Ruer-Medaille der Jüdischen Gemeinde Bochum - Herne - Hattingen wird er geehrt.

Es ist zum vierten Mal, dass eine Persönlichkeit aus der nichtjüdischen Öffentlichkeit, die sich um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht hat, so ausgezeichnet wird. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gemeinde, Grigorij Rabinovich, ist es der SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer, der die Laudatio hält auf Hannes Bienert. Sehr einfühlsam berichtet Schäfer über das Leben des Wattenscheiders, seine Kindheit, die Flucht mit der Mutter am Ende des Krieges, wie er seine auf dieser Flucht verstorbene Schwester noch in den Sarg einer anderen Verstorbenen legt, damit die Schwester mit dem Segen der katholischen Kirche, wie die Mutter es sich gewünscht hatte, bestattet wird. Ein polnischer Priester hatte sich geweigert, einem deutschen Kind den Segen zu spenden.

Bergmann auf Zeche Holland

Bienert wird geprägt durch diese Zeit. Er fasst später Wurzeln in Wattenscheid, arbeitet als Bergmann auf der Zeche Holland. Als Kommunist in der damals noch legalen KPD findet er seine Bestimmung, seine politische Heimat. Der Schwur der Buchenwald-Überlebenden: „Nie wieder Krieg. Nie wieder Faschismus“ wird zu seinem Lebensmotto. Gegen alle Widerstände engagiert er sich in der Friedensbewegung, der Antifa und erinnert bereits an die Reichspogromnacht, als andere noch lieber wegschauten.

Hannes Bienert ist hartnäckig. Er startet eine Bürgeraktion, um Gedenkstelen für die Opfer der Shoa in Wattenscheid errichten zu lassen, was ihm schließlich auch gelingt. Auch die Umbenennung des Platzes vor dem Wattenscheider Rathaus in Betti-Hartmann-Platz bewirkte er. Er erinnert an die erst 15-jährige Betti Hartmann, die als jüngste der insgesamt 87 ermordeten Wattenscheider Juden in Auschwitz umkommt. Hier überzeugte Bienert die Bezirksvertreter entgegen den Willen der Verwaltung abzustimmen Es gab ein einhelliges Votum.

Laudatio mit Zitat geschlossen

Axel Schäfer schloss seine Laudatio mit einem Brecht-Zitat: „Die Stärksten kämpfen ihr Leben lang, sie sind unentbehrlich.“ Sichtlich gerührt bedankte sich Bienert.

In seiner Ansprache hob er immer wieder hervor, dass es die jungen Menschen, die Schüler waren, die ihn unterstützt hätten bei seinen Aktionen. „Dieser Tag ist für mich ein Höhepunkt in meinem Leben“, sagte Bienert. Und stolz zitierte er aus einem Schreiben des israelischen Botschafters in Deutschland, das er anlässlich der Einweihung der Gedenk-Stelen am Nivelles-Platz erhalten hatte.

 
 

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