Jetzt rückt auch das Jugendamt von der Life GmbH ab

Das Gebäude der Life Jugendhilfe  in Bochum- Weitmar. Der Druck auf den Träger individualpädagogischer Maßnahmen nimmt zu.
Das Gebäude der Life Jugendhilfe in Bochum- Weitmar. Der Druck auf den Träger individualpädagogischer Maßnahmen nimmt zu.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Individualpädagogischer Träger von Jugendhilfemaßnahmen im Zentrum der Debatte. CDU fordert Stadt auf, Strafanzeige zu erstatten. Christian Haardt (CDU): „Sonst werden wir das tun.“

Bochum..  Jetzt rückt auch das Jugendamt, das seit vielen Jahren mit der Life-Jugendhilfe des SPD-Ratsmitglieds Gerd Lichtenberger eng zusammengearbeitet hat, von dem Träger indiviualpädagogischer Maßnahmen ab. In einer überraschend deutlichen Stellungnahme kündigte dies der Leiter des Jugendamtes, Dolf Mehring, an.

Wie erwartet, kam es bei der Vorstellung des von SPD, CDU und Grünen beantragten Berichts des Rechnungsprüfungsamtes zu einer heftigen Debatte über die Zusammenarbeit der Stadt mit diesem und anderen Trägern von Jugendhilfeprojekten. Das Amt hatte, wie bereits berichtet, etliche Versäumnisse dokumentiert, die von unzureichender Dokumentation bis zu nicht immer nachvollziehbaren Entgeltvereinbarungen reichen.

Dolf Mehring kündigte an, dass, „wenn eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr gewährleistet ist, wir unsere Konsequenzen ziehen“. Konkreter Anlass für diese Distanzierung sei die Tatsache, dass die Life-Jugendhilfe, trotz eindringlicher Aufforderung bisher nicht dem Ansinnen nachgekommen sei, nachzuweisen, dass der Betreuer eines Auslandsprojektes tatsächlich, wie Life es angegeben habe, Lehrer sei. „Wenn Life diese Qualifikation nicht nachweist, werden wir rechtliche Schritte vorbereiten“, so Mehring, der hinzufügte, dass das Rechtsamt der Stadt bereits damit befasst sei.

Für die CDU war zuvor Fraktions-Chef Christian Haardt noch deutlicher geworden. „Hier ist ganz offensichtlich eine Leistung verkauft worden, die gar nicht erbracht worden ist. Ich erwarte jetzt, dass die Stadt Strafanzeige gegen die Life GmbH erstattet.“ Außerdem solle die Stadt jegliche Zusammenarbeit mit diesem Träger unverzüglich einstellen. In einer nachgeschobenen Presseerklärung geht die CDU noch weiter und fordert die Stadtverwaltung auf, auch zivilrechtlich gegen die Life GmbH vorzugehen, da sich dieser Träger individualpädagogischer Maßnahmen mit kaum woandershin zu vermittelnden Kindern und Jugendlichen weigere, „den Nachweis über die ordnungsgemäße Leistungserbringung zu führen“.

Selbst Lichtenbergers Fraktionskollege Wolfgang Breßlein wurde deutlich: „Wenn ich nichts zu verbergen habe, dann kann ich alles offenlegen. Ich sehe umgehenden Handlungsbedarf.“ Katharina Schubert-Loy (Grüne) betonte jedoch, dass es fragwürdig sei, wenn Life jetzt zumindest indirekt bereits Betrug unterstellt werde. Aber: „Dass die Qualifikation des Betreuers nicht rausgerückt wird, halte ich für einen Skandal.“

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen