Japaner verwandelt Müll in Kunst

Seine Werke stellt Kotaro Nagira nicht etwa im Kunstmuseum, sondern im kleinen Café Tante Yurgan’s an der Castroper Straße aus. Den Betreiber freut’s.

Mitte. Nach Ausstellungen in Tokio (Japan) und Korea sind die Werke des japanischen Künstlers Kotaro Nagira nun auch in Bochum zu sehen. Aber nicht, wie man vermuten würde, im Kunstmuseum oder an der Ruhr-Universität, sondern im charmanten, kleinen Café Tante Yurgan’s an der Castroper Straße. Fünf Arbeiten des Japaners, gefertigt aus vermeintlichem Müll, hängen direkt bei den Café-Tischen – genau so, wie es sich der Künstler gewünscht hat.

„So kann man ja ganz anders über Kunst nachdenken, gemütlich beim Kaffeetrinken“, findet der 33-jährige. Und es lohnt sich, den Blick etwas länger über seine Kunst schweifen zu lassen. „Der Fensterputzer“ zum Beispiel ist eine Hommage an ein Tanztheater-Stück von Pina Bausch, ein aus abgelegten T-Shirts gewebter Wandteppich mit roten Farbverläufen. Dies, erklärt der Künstler, spiegele ein Gefühlskontinuum wieder und symbolisiere die wechselhaften zwischenmenschlichen Beziehungen.

„40 Jackets“, ein weiteres Werk, ist, wie der Titel vermuten lässt, eine Installation aus 40 edlen, schwarzen Jacketts, zusammengebunden mit rot-weißem Absperrband. Für den in Okayama geborenen Nagira liegt der Reiz darin, dass das Werk je nach Kultur unterschiedliche Deutungen zulässt. In Japan, erzählt er, stehen die Farben Rot und Weiß für Lebensfreude und Glück – hierzulande dagegen für Gefahr und Verbot. Daher entschied er sich für das sogenannte „Flatterband“, ein deutsches Wort, dass er sich wegen seines ulkigen Klangbilds rasch eingeprägt hat.

Stipendium der Kunst-Uni

Seine Kunst sieht Kotaro Nagira als eine kreative Form des Recyclings: „Jedes dieser Kleidungsstücke ist für den Besitzer mal viel wert gewesen“, sagt er. „Und was für den einen Müll ist, kann hier wieder etwas Besonderes werden – nämlich Kunst.“

Inzwischen lebt Kotaro Nagira seit etwa einem Jahr in Bochum, finanziert durch ein Stipendium seiner Kunst-Uni in Japan. Ein befreundeter Professor aus Bochum war Stammgast im Tante Yurgan’s und stellte den Kontakt zwischen Künstler und Café her – sehr zur Freude von Cafébetreiber Jürgen Sippel, der ein großer Fan von Nagiras Kunst ist. „Wir sind stolz und glücklich“, freut sich Sippel.

Und auch der Künstler selbst weiß das Café zu schätzen. Überhaupt habe er sich im Ruhrgebiet gut eingelebt. Er mag das abwechslungsreiche Kulturleben, gerade, weil er es nicht unbedingt erwartet hatte. Was er besonders schätzt: den Respekt der Menschen vor der Kunst. „Im Kunstmuseum halten die Leute stets einen respektvollen Abstand zu den Werken“, sagt er und lacht: „auch ohne Flatterband.“

 
 

EURE FAVORITEN