Integration ist das große Thema

Andreas Rorowski
IHK-Hauptgeschäftsführer Eric Weik setzte beim Jahresempfang vor 500 Gästen im Kunstmuseum ein Ausrufezeichen.
IHK-Hauptgeschäftsführer Eric Weik setzte beim Jahresempfang vor 500 Gästen im Kunstmuseum ein Ausrufezeichen.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
500 Besucher war zu Gast beim IHK-Jahresempfang im Kunstmuseum. Hauptgeschäftsführer Eric Weik setzt dabei ein Ausrufezeichen.

Bochum. Vier Bürgermeister, vier Schwerpunkte: Bochums Thomas Eiskirch (SPD) betonte die Bedeutung des Wohnungsbaus, Hernes Frank Dudda (SPD) sprach von der Notwendigkeit eines neuen Profils für die Region, Wittens Sonja Leidemann (SPD) forderte nachdrücklich eine bessere kommunale Finanzausstattung und Hattingens Dirk Glaser (parteilos) warb für die interkommunale Zusammenarbeit.

Die 500 Gäste beim Jahresempfang der IHK Mittleres Ruhrgebiet im Kunstmuseum bekamen – sofern sie nicht aus der Region sind – auch dank der gekonnten Moderation von Hörfunk-Journalist Tom Hegermann einen guten Eindruck davon, wo es in den Städten besonders zwickt und welche Akzente sie in nächster Zeit setzen wollen.

"Gesellschaftliche Balance" erhalten

Das dickste Ausrufezeichen, mit dem lautesten Beifall des Abends quittiert, hatte zuvor aber schon IHK-Hauptgeschäftsführer Eric Weik platziert, als er sagte: „Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem wir in unseren warmen, gut geheizten Wohnzimmern sitzen und im Fernsehen verfolgen, wie vor unseren Grenzen die Menschen verhungern und erfrieren. Das wäre nicht das Deutschland, in dem ich leben will.“ Die Integration, so der 45-jährige gebürtige Schwabe, der seit November an der Verwaltungsspitze der IHK Mittleres Ruhrgebiet steht, sei das Thema des Jahres und die große Herausforderung der Gegenwart.

So sehen es auch die vier Stadtoberhäupter. Bochums Thomas Eiskirch betonte etwa die „tolle Willkommenskultur“. Allerdings, so der 45-Jährige , die „gesellschaftliche Balance“ könne nur dann aufrecht erhalten werden, „wenn es uns auch gelingt, den Menschen, die schon lange hier sind, deutlich zu machen, eure Interessen fallen jetzt nicht hinten runter.“

Wohnungsbau ist das große Thema 

Den Wohnungsbau hat Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) als das Thema der nächsten fünf, sechs Jahre ausgemacht – auch, aber nicht nur für Flüchtlinge, wie er beim IHK-Jahresempfang betonte. Es gehe um sämtliche Preissegmente. Im Rahmen einer Investorenkonferenz kam es Anfang der Woche zum Austausch mit Wohnungsbauunternehmen, Finanzinstituten, Architekten und Privatinvestoren. Dabei ging es um Investitionsperspektiven in der Stadt. Eiskirch kündigte an, eine weitere Konferenz mit NRW-Städtebauminister Michael Groschek (SPD) werde folgen; auch für Gewerbeflächen und -immobilien soll es eine Konferenz geben. Nach Schätzungen der Stadt müssen in den nächsten Jahren zwischen 400 und 650 Wohnungen jährlich neu gebaut werden.

In Aussicht stellte Eiskirch, dass die Abbindung der Hordeler Straße nach Herne neu bewertet werden könnte. Er habe Stadtbaurat Markus Bradtke damit beauftragt, dies ebenso wie die Verkehrssituation am Hannibal-Center zu analysieren.

Land und Bund sollen mehr Geld zur Verfügung stellen

IHK-Präsident Jürgen Fiege hat in seiner Eröffnungsrede derweil an seine Unternehmerkollegen appelliert, sich noch stärker dem Thema Fachkräftenachwuchs zu widmen. „Wir Unternehmer müssen um die Auszubildenden mehr werben, als wir dies tun.“ Wer nur auf Auszubildende wartet, der warte „wahrscheinlich irgendwann nur noch auf Godot“. Ebenso warb er um die Teilnahme an der Wahl zur IHK-Vollversammlung im Herbst. Für das zentrale Entscheidungsgremium der Industrie- und Handelskammer, in der in der Region 27.500 Unternehmer wahlberechtigt sind, die wiederum 210.000 Mitarbeiter beschäftigen, hatte die Wahlbeteiligung zuletzt nicht einmal zehn Prozent betragen.

In Sachen Finanzierung sprach Wittens Bürgermeisterin Sonja Leidemann (SPD) ihren männlichen Kollegen aus der Seele, als sie an Land und Bund appellierte, den Städten mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Und sie brachte ein Thema auf die Agenda, das fast schon wieder fast vergessen schien: den Solidarbeitrag. Witten habe knapp 60 Millionen Euro in den Fonds Deutsche Einheit einbezahlt, trotz Schulden von 300 Millionen Euro. „Jetzt ist genug. Wir brauchen auch dringend Geld für unsere Infrastruktur.“ Die Stadt Bochum hat mit weit mehr als 350 Millionen Euro zum Aufbau Ost beigetragen; verschuldet ist die Stadt mit 1,7 Milliarden Euro.