In der Pflege ist die Altersarmut weiblich

Bochum wird nicht nur immer älter. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung wird im Alter auch immer ärmer. „Die Entwicklung ist besorgniserregend“, warnt Dr. Heide Ott, Leiterin des Amtes für Soziales und Wohnen, im WAZ-Gespräch.

Demografischer Wandel: Das bedeutet für Heide Ott vor allem Altersarmut. Und die ist weiblich. 3645 Heimplätze stehen stadtweit zur Verfügung. 1400 Bewohner erhalten Geld von Vater Staat („Ergänzungsbezug“), weil Rente, Pflegegeld oder Vermögen nicht ausreichen. 99 Prozent sind Frauen.

Auch bei der Grundsicherung sind die Rentnerinnen in der Mehrheit. Anspruch haben Bürger ab 65, deren Einkünfte unter Sozialhilfeniveau liegen. Besonders bedroht sind Dauerarbeitslose und Beschäftigte im Niedriglohnbereich. Deren Zahl nimmt stetig zu. 5000 Bochumer sind Aufstocker. Sie arbeiten voll, verdienen aber so wenig, dass das Jobcenter Zuschüsse gewährt. „Die, die heute schon arm trotz Arbeit sind, werden im Alter nicht besser da stehen“, beklagt der Paritätische Wohlfahrtsverband und fordert u.a. eine Anhebung der Grundsicherung.

Ein Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Bald wird jeder dritte Bochumer über 60 sein. Sicher ist: Die hohe Arbeitslosigkeit der vergangenen Jahrzehnte wird zur weiteren Zunahme der Altersarmut führen. Folge: Noch mehr Senioren werden auf staatliche Unterstützung angewiesen sein.

Dabei spiegeln die aktuellen Zahlen nicht einmal die wahre Not wider. Heide Ott: „Viele arme Rentner beantragen keine Leistungen. Aus Scham. Und weil sie ihren Kindern nicht zur Last fallen wollen.“

Deutlich steigen könnten nicht nur die Ausgaben für Grundsicherung und Heimkosten, sondern auch für das Wohngeld, das derzeit 6000 Mieter beziehen. „Weil viele Renten so mickrig sind“, so Dr. Ott, „hat inzwischen fast jeder Neurentner Anspruch auf Wohngeld.“

 
 

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