In Bochum erzählen Gesichter des Bergbaus Geschichten

Jürgen Boebers-Süßmann
„Gesichter des Bergbaus“: Steiger Michael Henning blickt über Bergwerk Ost.
„Gesichter des Bergbaus“: Steiger Michael Henning blickt über Bergwerk Ost.
Foto: Jürgen Post
Deutsches Bergbau-Museum zeigt sehenswerte Kabinettausstellung „Gesichter des Bergbaus“ mit Aufnahmen von Jürgen Post.

Bochum. Der Bergbau, über 200 Jahre prägend für das Ruhrgebiet und den Energiestandort Deutschland, schwindet mehr und mehr. Seit den 1980er Jahren kann man wie im Zeitraffer zusehen, wie immer mehr Zechen verschwinden – nun ist bald das endgültige Ende gekommen. 2018 schließt mit der Schachtanlage Prosper das letzte der einst über 200 Bergwerke im Revier.

Die Erinnerung an die „schwarzen Zeiten“ verblasst, aber es gibt immer noch Menschen, die sie festzuhalten suchen. Jürgen Post beispielsweise. 30 Jahre arbeitete er im Steinkohlenbergbau, 20 davon als Steiger unter Tage. Als „mein Pütt“, wie er sagt, das Bergwerk Ost in Hamm, am 30. September 2010 die letzte Förderschicht fuhr, dachte er vorher nicht, dass ihm der Abschied so schwer fallen würde. Und doch war es so. Ein Stück gelebtes Leben war vorbei. Um Pütt und Kumpel im Gedächtnis zu bewahren, fing er an zu fotografieren. Die nach und nach entstandenen Aufnahmen fasste er schließlich zu der Ausstellung „Gesichter des Bergbaus“ zusammen, die jetzt im Deutschen Bergbau Museum zu sehen ist.

Emotionen werden geweckt

Eines dieser Gesichter gehört dem Steiger Michael Henning. Post begleitete seinen Kollegen während der letzten Schicht auf dem Bergwerk Ost mit der Kamera. Ein Foto zeigt Henning, wie er vom Förderturm noch einmal in Gedanken über das Bergwerk blickt, die Hände übereinander. „Wie ein stilles Gebet“ nennt der Fotograf sein Motiv.

Jürgen Posts Bilder wecken Emotionen, sie zeigen aber auch die Vielschichtigkeit des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Menschen und Gebäude in schwarz-weiß treffen da auf Akzente in leuchtendem Orange. Mittels Colorkey-Technik zeigt Post, dass sich in der vermeintlich grauen Gegenwart auch Möglichkeiten verbergen. Das Hauptgebäude des Bergwerks Ost steht da etwa vor bedrohlichem grauen Himmel und strahlt doch von innen. Post spricht von „bleibender Lebendigkeit“.

Öffnungszeiten

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Am Bergbaumuseum 28, bis 28. Juni, Öffnungszeiten Di.-Fr. 8.30-17 Uhr, Sa., So., 10-17 Uhr, Eintritt 6,50/erm. 3 Euro