Im Gewerkschaftshaus wurde die IG Bergbau verwaltet

Das repräsentative Bürohaus Bochum (rechts) im Stil der Neuen Sachlichkeit Ende der 1920er Jahre. Links im Hintergrund  die enge Durchfahrt zum alten Hauptbahnhof („Mausefalle“).
Das repräsentative Bürohaus Bochum (rechts) im Stil der Neuen Sachlichkeit Ende der 1920er Jahre. Links im Hintergrund die enge Durchfahrt zum alten Hauptbahnhof („Mausefalle“).
Foto: Stadt Bochum, Presseamt
Das heutige Fritz-Husemann-Gewerkschaftshaus an der Hattinger Straße entstand Mitte der 1920er Jahre als „Bürohaus Bochum“ im neuen Ehrenfeld.

Bochum.. Wenn man die Alte Hattinger Straße entlang spaziert, kommt einem die Gegend zwischen Königsallee und Hans-Ehrenberg-Platz ziemlich unscheinbar vor. Wohnhäuser, Galerien, kleine Geschäfte, Cafés, überschaubarer Verkehr (auch, wenn hier immer alles zugeparkt ist).

Vor dem Krieg war das anders, damals war die Hattinger Straße der direkte Zuweg zum alten Hauptbahnhof: ein belebtes Viertel, gut angeschlossen, gut zu erreichen. Das dürfte ein Grund mit gewesen sein, warum das Bürohaus Bochum Mitte der 1920er Jahre an dieser Stelle errichtet wurde.

Sitz der mächtigen IG Bergbau

Der Verwaltungsbau an der Ecke Clemensstraße entstand um 1925 als modernes, typisches Verwaltungsgebäude im noch jungen Stadtviertel Ehrenfeld, das erst ein Jahrzehnt zuvor erschlossen worden war. Das Bürohaus war eines der ersten seiner Art und ist bautechnisch typisch für die Weimarer Republik, Stichwort: Neue Sachlichkeit.

Sein Zustand ist weitgehend erhalten, bei der Fassadengestaltung war von vornherein auf gestalterischen Schnickschnack verzichtet worden. Wie wuchtig das Eckhaus ist, sieht man eigentlich erst, wenn man an der Flucht der Büroetagen in Richtung Königsallee daran vorbeigeht.

Seit 1946 nutzt der Industrieverband Bergbau das Gebäude

1946 wurde das Gebäude vom neu gegründeten Industrieverband Bergbau genutzt, jener einflussreichen Gewerkschaft IG Bergbau, die in Zeiten der Kohlekrise in den 1960er bis 1980er das soziale Leben mit all den Verwerfungen durch den Strukturwandel im Ruhrgebiet entscheidend mitgeprägt hatte – und die den Niedergang der Kohle auch nicht verhindern konnte.

Vom Bürohaus im Ehrenfeld aus wurden damals die gewerkschaftlichen Tätigkeiten organisiert, Massendemonstrationen, Kundgebungen, Beratungen für die von Kündigung bedrohten Kumpel. Später ging die IG Bergbau und Energie, wie sie dann hieß, in der IG Bergbau Chemie Energie (IG BCE) auf, deren Landesbezirk Westfalen heute noch im Bürohaus untergebracht ist, ebenso wie die Geschäftsstelle der SPD und Büros der Lehrergewerkschaft GEW.

Auch der Berg-Verlag residiert hier. Der gewerkschaftseigenen Verlag war in den Nachkriegsjahren noch auf der anderen Seite der Königsallee, und doch quasi in Rufweite zum Bürohaus, untergebracht. Im alten Sitz des Berg-Verlags befindet sich nun das Haus der Geschichte des Ruhrgebiets.

Gedenktafel erinnert an den prominenten Gewerkschafter

Das im Obergeschoss nach Kriegsschäden veränderte Bürohaus, das nicht unter Denkmalschutz steht, blickt also auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Sie lässt sich auch am Namen ablesen.

Das sachlich-schlichte „Bürohaus Bochum“ heißt längst „Fritz-Husemann-Haus“; zum Gedenken an den Vorsitzenden des Verbandes der Bergbauindustriearbeiter Deutschlands und SPD-Reichstagsmitglied, Fritz Husemann, der von den Nazis 1935 ermordet wurde. Eine Gedenktafel erinnert an den prominenten Gewerkschafter, der auf dem Friedhof Freigrafendamm begraben ist.

 
 

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