Im Gedenken an homosexuelle Opfer der Nazis

Sabine Vogt

Bochum. Das Schicksal homosexueller Menschen, die von den Nazis ermordet worden waren, lässt den Bochumer Diplom-Psychologen Jürgen Wenke nicht los. Der ehemalige Leiter der hiesigen Beratungsstelle für Schwule und Lesben, „Rosa Strippe“, hat sich deshalb jetzt auf den Weg zur Gedenkstätte Buchenwald gemacht.

„Es begann damit, dass ich auf Verdacht hin zunächst in Dachau anfragte, ob es Dokumente über Homosexuelle aus dem Ruhrgebiet gebe.“ Dort bekam er erste Informationen über einen Julius Schmidt, „der durchlitt eine wahre Odyssee durch gleich vier Konzentrationslager, bevor er in Buchenwald starb“.

So machte sich der Bochumer auf den Weg und recherchierte in den Archiven der Gedenkstätte Buchenwald. Besonders schwer war es, Informationen über Friedrich Wessel zu finden, der als Plakatmaler in Wattenscheid gelebt hatte. „In einer Fluchtkladde war sein Tod vermerkt: Am 7. Mai 1942 um 14 Uhr wurde er mit vier Schüssen von einem SS-Wachmann erschossen.“ Fotos von Wessel waren nicht vorhanden. Das einzige, was Jürgen Wenke herausfand, war, dass Wessel drei Reichsmark mit ins Lager gebracht hatte, zwei Monate später fünf weitere RM überwiesen bekam, die er im KZ indes nie verwenden konnte. „Der Gesamtbestand von acht Mark wurde von der SS um Kosten für Paketgebühr (1,95 RM) und Überweisungsgebühr (32 Pfennig) reduziert und an einen Empfänger im Oberpostbezirk Wattenscheid nach dem Tod von Friedrich Wessel zurücküberwiesen.“

Stolpersteine zum Gedenken an Opfer

Im Gedenken an den ersten Wattenscheider Homosexuellen als Opfer des Nationalsozialismus – den dritten in Bochum insgesamt – wird in Herbst ein Stolperstein verlegt. Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig wird ihn voraussichtlich am 19. September am letzten Wohnort Friedrich Wessels, Sedanstraße 7, anbringen.

Zwei weiterer Männer soll durch die Stolpersteine gedacht werden: Julius Schmidt stammt aus Elberfeld (ein Termin steht noch nicht fest), Alfred Quaas stammte aus Essen; sein Stolperstein soll im Dezember verlegt werden.

Jürgen Wenke: „Im Buchenwald-Archiv stellte ich fest: Es gibt noch viele Namen von Leuten, die in Buchenwald gefangen waren und getötet wurden. Darunter Männer aus Bochum, Wattenscheid, Eppendorf und zahlreichen Nachbarstädten.“