Im Einsatz gegen das Katzenelend

Leserbeirats-Interview: Gisela Ocker von der Tierhilfe Bochum (links) im Gespräch mit Leserbeirätin Ellen Teuber.
Leserbeirats-Interview: Gisela Ocker von der Tierhilfe Bochum (links) im Gespräch mit Leserbeirätin Ellen Teuber.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.. Durch einen Artikel in der WAZ wurde Leserbeirätin Ellen Teuber vor zwei Jahren auf die Tierhilfe Bochum und deren Einsatz für streunende Katzen aufmerksam und unterstützt den Verein seither mit Futterspenden. Dessen Vorsitzende Gisela Ocker (67) schildert im Interview ihren Kampf gegen das Katzenelend. Redakteurin Sabine Vogt fasste das Gespräch zusammen.

Frau Ocker, Sie sind seit 24 Jahren Vorsitzende der Tierhilfe Bochum. Wie lässt sich Ihre Tätigkeit mit Haushalt und Familie vereinbaren?

Gisela Ocker: Es muss immer irgendwie gehen. Vieles, wie etwa das Einfangen der Tiere zwecks Kastration, ist dann oft erst abends oder nachts möglich; besonders, als die Kinder noch klein waren.

Sie haben viele Katzen und Hunde bei sich privat aufgenommen, da die Tierhilfe kein eigenes Tierheim besitzt. Wie entstand ihre Tierliebe?

Ocker: Es begann schon in meiner Kindheit: Während sich Gleichaltrige zum Spielen verabredeten, ging ich zum Bauern, um dessen Hund auszuführen. Zuerst hatte ich zwei Dackel, dann eine Katze, die natürlich einen Gefährten brauchte. Heute habe ich angesichts der Pflegekatzen keine Haustiere mehr.

Unterstützt Ihre Familie Sie bei ihrer Tätigkeit?

Ocker: Unbedingt, besonders mein Mann. Als ich meinen Haustier-Bestand vor 24 Jahren vergrößerte, kam auch er irgendwann mit zwei kleinen roten Kätzchen in der Hemdtasche an, die er auf dem Betriebsgelände seiner Firma gefunden hatte. Hervorheben muss ich aber auch unsere Vermieterin, Marlies Fricke von nebenan: Sie hat mir oft gegen Widerstände geholfen, die mir bei uns in Stiepel entgegenschlugen.

Wie sieht Ihre ehrenamtliche Tätigkeit aus und woher stammen die Mittel für den Verein?

Ocker: Menschen rufen beim Verein an und berichten von Streunern. Das Telefon klingelt bei mir den ganzen tag über. Die fangen wir ein und lassen sie kastrieren. Die erwachsenen Tiere werden wieder freigelassen, die Kleinen versuchen wir zu vermitteln. Der Verein ist stets klamm; es fehlt an Spendern. So müssen wir viel selbst bezahlen. Im letzten Jahr hatte ich Tierarztkosten in Höhe von 6500 Euro.

[kein Linktext vorhanden] Wie viele Helfer hat der Verein?

Ocker: Wir haben 72 Mitglieder. So richtig aktiv sind nur doch drei Frauen bei uns, die auch Tiere in Pflege nehmen, Kranke und Verletzte aufpäppeln und für die Vermittlung an Menschen gewöhnen. Ein Mann musste sein Engagement einstellen, weil dessen Frau das Elend der Katzen nicht mehr verkraften konnte. Wir versorgen zudem täglich 26 Futterstellen mit 250 Katzen in Bochum.

Welche Erlebnisse im Einsatz für die Vierbeiner haben sie geprägt?

Ocker: Negativ: Was Menschen Tieren antun; die Folgen dessen, was Tierquäler fertigbringen, nimmt uns täglich mit. Wir sind nun mal nah dran. Es gibt auch positive Erfahrungen wie die, als eine Katze hoch oben auf einem Baum festsaß. Ich rief eine Privatfirma für Holzfällungen an, und deren Mitarbeiter erklomm den Stamm mit Spezial-Kletterhaken, um das Kleine behutsam in seine Tasche zu retten.

Was ist nötig, um das Tierelend nachhaltig zu verringern?

Ocker: Leider konnte sich die Stadt Bochum noch nicht zur Einführung einer Kastrationspflicht für freilaufende Katzen durchringen. Andere Kommunen wie Paderborn sind da schon weiter. Alle hiesigen Tierschutzvereine haben versucht, dieses Kastrationsgebot durchzusetzen – vergeblich.

Was wünschten Sie sich künftig?

Ocker: Jede Hilfe, die wir kriegen können. Und jedem sollte bewusst werden: „Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen können, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken“. Das Zitat ist dermaßen zutreffend; es hängt zu Hause.

 
 

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