Idee mit Ewigkeitscharakter

Der Chinesische Garten im Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum wurde von der Stiftung der Sparkasse Bochum gefördert.
Der Chinesische Garten im Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum wurde von der Stiftung der Sparkasse Bochum gefördert.
Foto: WAZ

Bochum. Mit gutem Grund wurde vor einem Jahr das Eisenbahnmuseum Dahlhausen in eine Stiftung umgewandelt. Sie soll die historischen Züge sichern und das Museum aus einer Hand organisieren. Stifter sind die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG) und die Stadt Bochum, die symbolisch mit einem Euro beteiligt ist.

„Eine Stiftung hat Ewigkeitscharakter. Der zentrale Gedanke war, das Eisenbahnmuseum an die Stadt Bochum zu binden. Das ist jetzt der Fall, weil alles festgelegt wird und die Stiftungsaufsicht in Arnsberg über die Einhaltung Satzung wacht. Bei einem Verein ist das nicht so“, erläutert Prof. Wolfgang Fiegenbaum, Vorstand der Stiftung.

Anders ist es bei der Stiftung Bochumer Symphonie. Ihr Kapital wurde von vielen Spendern für den Bau eines Musikzentrums gesammelt und in einer unselbstständigen Stiftung angelegt. Da das Vermögen für den Musikbau verwendet werden soll und lange unklar war, ob der Stiftungszweck überhaupt erfüllt werden kann, ist diese Rechtsform nicht auf Ewigkeit angelegt.

49 selbstständige Stiftungen

Klassiker ist allerdings die als selbstständig anerkannte Stiftung, wie die Stiftung Eisenbahnmuseum. Das heißt: Vermögen wird in der Organisation fest verankert und für immer einem bestimmten Zweck gewidmet.

In Bochum gibt es, laut Stiftungsverzeichnis Nordrhein-Westfalen, 49 selbstständige Stiftungen, die gemeinnützige Zwecke verfolgen. Bochum liegt mit dieser Anzahl in einem Großstädte-Ranking des Bundesverbands Deutscher Stiftungen auf Platz 65 knapp vor Dortmund (Platz 70) und weit hinter Essen (Platz 27).

Steuerliche Verbesserungen

Als Stifter wirken in unserer Stadt beispielsweise Unternehmen und Verbände (z. B. BP, Sparkasse Bochum, Arbeitgeberverbände mit der Mint-Stiftung Ruhr/Vest), Institutionen (z.B. Ruhr-Universität, Caritas) und auch Privatpersonen (z.B. Verena und Richard Klix, Liselotte und Walter Rauner, Heinrich und Alma Vogelsang).

„Der Stifter muss die eindeutige Absicht bekunden, sich von seinem Eigentum oder einem Teil davon und dessen Nutznießung zu trennen“, informiert die Stadt Bochum im Internet. Nur die Zinsen aus dem Vermögen werden für den Zweck verwendet. Die meisten Stiftungen wirken in den Bereichen: Kultur, Bildung, Forschung oder Soziales.

Von den 49 selbstständigen Stiftungen in Bochum wurden viele in den letzten 12 Jahren gegründet. Der Gründungsboom hängt damit zusammen, dass die steuerlichen Bedingungen für Stiftungen verbessert wurden (2000/2007) und das Stiftungsrecht reformiert wurde (2002). Stiftungen werden seitdem nicht mehr nur genehmigt, sondern auch rechtlich anerkannt, was ihren Status in der Gesellschaft stärkt.

Bildung, Kultur, Forschung und Soziales

Um eine rechtlich selbstständige Stiftung zu gründen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. „Es sollten mindestens 50.000 Euro als Stiftungsvermögen angelegt werden“, erläutert Dr. Barbara Adams, vom Rechtsamt der Stadt Bochum. Anke Pätsch, Sprecherin vom Bundesverband Deutscher Stiftungen, weist daraufhin, dass bei kleinen Vermögen eine Zustiftung in eine bestehende Stiftung eine gute Alternative sein kann.

„Wenn der Stifter nicht mehr für die Organisation Sorge trägt und es keinen Nachfolger gibt, kann eine kleine Organisation auf Dauer nicht bestehen“, sagt sie. Das Rechtsamt Bochum hilft Stiftern bei allen rechtlichen Fragen weiter. „Dieses Informationsangebot soll Stiftungen in unserer Stadt fördern, weil sie in der Gesellschaft immer wichtiger werden“, sagt Dr. Adams vom Rechtsamt. Stadtsprecher Thomas Sprenger fügt an: „Wenn es bestimmte Stiftungen nicht gäbe, gäbe es bestimmte Dinge nicht.“

In den folgenden vier Teilen unserer Serie stellen wir Stiftungen vor in den Bereichen: Bildung, Kultur, Forschung und Soziales. Alle vier Porträts zeigen Bochumer Bürger oder in einem Fall einen Wattenscheider (Gründung 1932), die ihre Stiftung mit Privatvermögen ins Leben gerufen haben.

 
 

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