„Hütchen“-Oper nur mäßig besucht

Die Geschichte der Märchenoper „An allem ist Hütchen schuld“ geht so: Zu Beginn reißt der kleine Kobold „Hütchen“ die Seiten aus einem Märchenbuch. Der Frechdachs! Notdürftig in zufälliger Reihenfolge wieder zusammengeflickt, prallen nun Passagen verschiedener Geschichten scheinbar sinnentleert aufeinander. Eine assoziationstreibende Technik, mit der der Komponist Siegfried Wagner die Cut-up-Methode des US-Kultautors William S. Burroughs um rund 45 Jahre vorwegnahm.

Gefallen hat die von Peter P. Pachl inszenierte Aufführung dieser selten gespielten, aber unterschätzten Oper des Sohnes von Richard Wagner, einem Großteil des Publikums offenbar nicht. Viele Besucher verließen das ohnehin nur überschaubar gefüllte Audimax vorzeitig. Damit taten sie dieser szenischen Interpretation des 1917 uraufgeführten Stücks Unrecht. Denn es war beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit die Symphoniker unter Leitung von Lionel Friend Wagners Komposition deuteten – jeder Einsatz saß. Eindrucksvoll auch die Leistung der 16 stimmstarken Solisten. Der Einsatz des Sonderchores der RUB war sparsam.

Die in einer nach Modernität strebenden Zeit entstandene Oper mutete musikalisch erstaunlich leichtfüßig und konventionell an. Mit der dräuenden Schwere seines Vaters hatte Siegfried Wagners Musik so gar nichts am Hütchen.

 
 

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