Honecker grüßt bei Feier zum 65. der DDR-Gründung in Bochum

Foto: WAZ
Das größte DDR-Museum Westdeutschlands befindet sich in Bochum-Wattenscheid. Dort feierte das„DDR-Kabinett Bochum e.V.“ kürzlich auch den 65. Jahrestag der Staatsgründung in Ostdeutschland. Beste Grüße schickte Margot Honecker aus Chile. Ebenso dachte Egon Krenz an die feiernden Genossen im Westen.

Bochum-Wattenscheid.. „Halt Staatsgrenze! Passieren verboten!“ Darüber Hammer und Zirkel. Wer die 70 Quadratmeter große Wohnung an der Harkort-straße betritt, findet sich in einer anderen Zeit wieder. In einer Epoche, in der es zwei deutsche Staaten gab. Der Deutschen Demokratischen Republik ist diese Wohnung als Museum gewidmet.

Wer sich trotz des Schildes traut, weitere Schritte hinein zusetzen, blickt in den Lauf eines Maschinengewehrs. Der gesamte Flurbereich thematisiert an dieser Stelle die „Kampfgruppe der Arbeiterklasse“, die Puppe mit der Waffe trägt eine Original-Uniform aus dem Jahr des Mauerbaus. In allen Räumen, im Korridor, pickepackevoll, riecht es nach alten Klamotten, altem Papier, ein bisschen muffig.

14.000 Exponate zur Hand

Über 6000 Exponate stellt das „DDR-Kabinett Bochum e.V.“ als Träger dieses Museums in Wattenscheid aus: Vom Offiziers-Ehrendolch Jahrgang 1957 bis zur Flasche Club-Cola. Rund 8000 authentische Erinnerungsstücke aus der DDR lagern zudem im Keller. „Mit den Uniformen fing aber alles an. Die habe ich 1990 aus Müllcontainern gezogen“, schildert Andreas Maluga, Vorsitzender des Vereins. Erstaunlich viele NVA-Artikel finden sich in der Einrichtung wieder. Der 51-Jährige ist DKP-Mitglied, hat früh Kontakte in die DDR aufgebaut; die sind nützlich.

Doch ist es nicht allein das Museum, womit sich das Kabinett beschäftigt. Auch Veranstaltungen gehören zum Programm. Stammtische finden öffentlich statt. Intern war dagegen kürzlich die Feier zum 65. Jahrestag der Staatsgründung. 250 geladene Gäste seien in die Aula der Pestalozzi-Realschule gekommen, wie Maluga berichtet. Themen dort: die „Solidaritätsarbeit“ der DDR sowie Kultur und Sport. Auf der Speisekarte: Soljanka. Beste Grüße schickte Margot Honecker aus Chile. Ebenso dachte Egon Krenz an die feiernden Genossen im Westen.

"Wir zeigen unsere Ausstellung unkommentiert"

Und auch auf der Internetseite des DDR-Kabinetts ist ein Brief des Honecker-Nachfolgers zu finden. Darin heißt es über das Museum: „Leider wird in der Bundesrepublik die Geschichte der DDR nicht so dargestellt, wie sie war. Sie wird benutzt, um den Sozialismus zu diskreditieren und von den Gebrechen des Kapitalismus abzulenken.“

Über Todesopfer an der Grenze oder die Stasi verliert er kein Wort. Genauso wenig wie die Ausstellung: „Es gibt zahlreiche Orte in Deutschland, die die DDR-Geschichte – negativ – kommentiert aufarbeiten. Wir zeigen unsere Ausstellung unkommentiert“, betont Maluga. Besucher sollen kommen, Akten, Bücher und mehr studieren und sogar anfassen können. Es besteht die Möglichkeit zur Diskussion. „Und dabei sind wir für alle Meinungen offen. Wir sind nicht automatisch der Ansicht, dass alles, was aus der DDR kam, das Beste überhaupt war.“

 
 

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