Bochum

Hochstapeln: Tolle Schauspieler, aber überfrachtet

Szenenfoto aus  Hochstapeln Foto Küster
Szenenfoto aus Hochstapeln Foto Küster

Bochum. . „Mein Haus, mein Auto, mein Boot…“ Fotos werden auf den Tisch geknallt, dazu gesellt sich ein selbstgefälliges Grinsen. Hochstapeln: Ständig versuchen alle, mehr zu sein, um im täglichen Konkurrenzkampf Punkte zu sammeln. Darum geht’s in Jan Neumanns gleichnamigem Stück, einer Uraufführung im Theater Unten.

Wer Neumann kennt, weiß, dass er seine Arbeiten auf ungewöhnliche Weise entwickelt. Bei Probenbeginn ist da nichts, vielleicht nur ein Wort, eine flüchtige Assoziation. Neumann lässt dazu improvisieren, langsam entstehen Szenen, und am Ende existiert ein Abend, der ein Experiment für alle Beteiligten bleibt.

Ein ganzer Technikpark

Auf der Bühne: ein ganzer Technikpark, unzählige Mikros, Bildschirme, Vorhänge, die als Leinwände dienen. Geordnetes Durcheinander, man fürchtet eine Materialschlacht. Ein Klassentreffen bildet die Ausgangsszene des Textes. Sechs alte Freunde treffen sich im Abstand von zehn Jahren immer wieder, bis sie alt und grau sind. Kaum hat die Clique Platz genommen, geht die Schönfärberei schon los. Doch in Einzelszenen erfährt der Zuschauer, wie es wirklich um die Figuren bestellt ist. Maike lebt mit einem Mann, den sie nicht liebt. Arndt arbeitet sich an den Rand der Demenz und Politiker Reinhard ist schwul. Der Text entwickelt sich immer weiter weg vom Ausgangspunkt, die wahren Lebensgeschichten bestimmen schließlich die Dramaturgie.

Starke Szenen

Alle im Ensemble haben starke Szenen, gehen an ihre Grenzen. Doch, was sich in den zwei Stunden formal abspielt, erschlägt die spannende Arbeit dann doch. Von allem „too much“, könnte man sagen. Die gesamte Handlung wird filmisch aufbereitet, die Schnitte und Kameraeinstellungen werden ununterbrochen minuziös dokumentiert. Und - ohne Purismus predigen zu wollen - glücklicherweise gibt es sie, die reinen Theaterszenen ohne Medieneinsatz.

Atemloser Reigen

Kurze Erleichterung im atemlosen Reigen der Verfremdung und der Brüche, aber dieses Konzept ist stellenweise einfach zu übermächtig, zu konstruiert. Keine Frage, ein toller Abend mit sechs tollen Schauspielern und daher. sehenswert, aber leider etwas zu lang und strukturell überfrachtet.

 
 

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