Hilfe für problematische Kinder

Gerd Lichtenberger, Chef des Bochumer Unternehmens „Life Jugendhilfe GmbH“, und seine Mitarbeiter vermitteln rund 30 Kinder mit problematischer Biografie an verschiedene Betreuer.
Gerd Lichtenberger, Chef des Bochumer Unternehmens „Life Jugendhilfe GmbH“, und seine Mitarbeiter vermitteln rund 30 Kinder mit problematischer Biografie an verschiedene Betreuer.
Foto: Privat
Die „Life Jugendhilfe GmbH“ aus Bochum wird im nächsten Jahr 20 Jahre alt. Das Unternehmen hilft Kindern und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen mit einer individuellen Betreuung.

Bochum.. Wenn Gerd Lichtenberger in der nächsten Woche die Korken knallen lässt, um das neue Jahr einzuläuten, so freut er sich auf ein besonderes Ereignis in 2013. Vor genau zwei Jahrzehnten hatte der ehemalige Lehrer und frühere Leiter des Evangelischen Kinderheims Overdyck in Bochum die Idee, Heimkindern und Heranwachsenden mit problematischer Biografie durch eine individuelle Betreuung zu helfen. 1993 gründete Gerd Lichtenberger die „Life Jugendhilfe“. Die Organisation feiert im kommenden Jahr somit ihren 20-jährigen Geburtstag.

„Life“ ist mittlerweile auf ein Unternehmen mit 120 Mitarbeitern im In- und Ausland angewachsen. Das Konzept: Kinder werden von den Jugendämtern an seine Organisation vermittelt. Lichtenberger und sein Team suchen dann einen passenden Betreuer, der sich um den Jugendlichen kümmert und in dessen Familie er wohnt.

Jeder Jugendliche bekommt einen Begleiter

Bei den Betreuern handelt es sich um Menschen aus verschiedenen Bereichen und Berufen. Sowohl studierte Sozialarbeiter als auch Fachfremde, die in einer Schulung die nötigen Kompetenzen erwerben, kümmern sich um einen Jugendlichen. Dieser bleibt durchschnittlich eineinhalb Jahre in der Familie. Da müssten alle Beteiligten auf einer Wellenlänge funken.

„Das Spannende an dem Beruf ist es, zwei Menschen zusammenzubringen, die wirklich zueinander passen“, sagt Lichtenberger. Rund um die Uhr steht der Begleiter einem Heranwachsenden zur Seite. Diese 1:1-Beziehung sei in vielen Fällen nötig. Die Teenager, die von „Life“ vermittelt werden, haben eine Menge durchgemacht: von Vernachlässigung bis zum sexuellen Missbrauch, die in der Drogenabhängigkeit oder einer kriminellen Karriere münden.

„Vor einigen Jahren gab es die Idee, die Gruppenarbeit in kleinen Gruppen durchzuführen. Einige der Jugendlichen sind aber nicht gruppenfähig“, weiß Lichtenberger.

Drei Viertel wurden drogenfrei

Rund 30 Kinder vermitteln Lichtenberger und seine Mitarbeiter durchschnittlich im Jahr. Im Laufe seines Bestehens hat „Life“ demnach rund 600 Kindern und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen im In- und Ausland herausgeholfen.

„75 Prozent davon entsprachen nach ihrer Entlassung aus dem Betreuungsverhältnis den Vorgaben des Jugendamtes“, erklärt Lichtenberger. Drei Viertel der Jugendlichen waren nach der Betreuungszeit also frei von Drogen, haben einen Schulabschluss nachgeholt oder eine Therapie erfolgreich zu ihrem Ende gebracht.

Das sei eine gute Zahl. Doch mit einer Sache hat Lichtenberger nicht gerechnet. „Als ich damals angefangen habe, habe ich nicht gedacht, dass irgendwann so junge Kinder zu mir geschickt werden.“ In den vergangenen 20 Jahren von „Life“ sei das Durchschnittsalter des Klientels immer weiter gesunken.

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