Heute vor 70 Jahren – als in Sundern die Bomben fielen

Manfred Bähr am früheren Luftschutzbunker, von dem nur noch wenige Überreste zu sehen sind.
Manfred Bähr am früheren Luftschutzbunker, von dem nur noch wenige Überreste zu sehen sind.
Foto: FUNKE Foto Services
Heute vor 70 Jahren, kurz vor Kriegsende, wurde am Wienkopp in Sundern ein Bunker getroffen. Dabei starben 58 Menschen, die dort Schutz suchten.

Bochum-Sundern.. „Es passierte am Nachmittag“, daran erinnert sich Edith Sellmann noch genau; an diesen Tag vor 70 Jahren, den 14. März 1945, als die Sirenen plötzlich aufheulen und die Leute Schutz suchen: Luftangriff. Auch in Sundern bringen sich die Menschen (vermeintlich) in Sicherheit. 150 von ihnen kommen im Luftschutzstollen am Wienkopp unter, nahe der früheren Freilichtbühne. Und beten, dass nichts passieren mag.

Doch ihre Gebete werden nicht erhört. Zwei Bomben schlagen ein. Eine vor den Eingang, eine mitten in den Stollen. Die Menschen darin werden verschüttet. 58 von ihnen sterben, 20 werden verwundet, der Rest kommt mit dem Schrecken davon.

Edith Sellmann (geborene Dahlbeck) hat Glück. Die 17-Jährige, die in die Schneiderlehre an der Roomersheide geht, kann sich während des Luftangriffs tief unter der Erde in der Pumpenkammer von Zeche Carl Friedrich verstecken. Als Sellmann wieder über Tage ist, merkt sie sofort, dass Schlimmes passiert ist: „Es lag so ein komischer Geruch in der Luft – und eine Smog-Glocke über Sundern.“

„Es war furchtbar, viele Menschen von dort kannte ich“

Edith Sellmann eilt zur Unglücksstelle, weil dorthin auch ihr Vater zur Hilfe abberufen wurde. Was genau passiert ist, weiß sie zu diesem Zeitpunkt nicht. „Ich dachte, die Henrichshütte in Hattingen sei bombardiert worden.“ Ein Trugschluss, wie sie wenig später heraus findet. „Es war furchtbar, viele Menschen von dort kannte ich. Ein ganz schlimmes Erlebnis für Sundern.“

Manfred Bähr, der Cousin von Edith Sellmann, ist damals gerade drei Jahre alt. „Ich kann mich an den Luftangriff nicht mehr erinnern“, sagt er. Wo die Bomben herunterkamen, weiß er jedoch genau. „Wir haben als Kinder ja in den Ruinen des Luftschutzstollens gespielt.“ Heute finden sich nur noch wenige Überreste – vereinzelte Mauerstücke – in dem Waldstück am Wienkopp. „Man muss sie wirklich suchen“, weiß Bähr, der als Mitglied des Knappenvereins Schlägel & Eisen Stiepel/Dorf sehr an Heimatgeschichte interessiert ist. Ende der 60er Jahre wurde der Stollen verfüllt, zubetoniert und dem Gelände angepasst.

An die 22 Opfer (darunter zwölf Kinder) aus Sundern erinnert heute noch die Kriegsgräberanlage auf dem Friedhof an der Schloßstraße in Weitmar.

 
 

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