Henrike Klehr ist neue NRW-Meisterin im Poetry Slam

Vor voll besetzten Rängen trug Henrike Klehr, die spätere Wettbewerbssiegerin, ihre Texte vor.
Vor voll besetzten Rängen trug Henrike Klehr, die spätere Wettbewerbssiegerin, ihre Texte vor.
Foto: Wortlaut Ruhr
  • Die Landesmeisterschaften im Poetry Slam fanden im ausverkauften Schauspielhaus statt.
  • 39 Jung-Poeten präsentierten ihre Texte und stellten sich der Entscheidung des Publikums.
  • Moderiert wurde der Abend von den Slam-Altmeistern Jason Bartsch und Sebastian23.

Bochum.. Was überzeugt beim modernen Dichter-Wettstreit, dem Poetry-Slam? Persönliches, auch Politik, aber vor allen Dingen: Humor. Zumindest beim Finale des NRW-Slams im Schauspielhaus, wo zwölf Jungpoeten um den Titel des Landesmeisters kämpften. Die Entscheidung lag bei neun zufällig gewählten Leuten aus dem Publikum. Das Rennen machte schließlich Henrike Klehr: mit einem humorvollen Text über Party, Liebesleben und Freundschaft und einem berührenden Stück über einen demenzkranken Vater.

Jason Bartsch und Sebastian23 moderierten

Zuvor mussten sich die Wortkünstler in den Vorrunden beweisen. Insgesamt 39 Slammer aus ganz NRW waren angetreten – darunter Szene-Urgesteine wie Andy Strauss oder Sushi da Slamfish, der seine Texte ausschließlich improvisiert. Doch kein einziger der Großmeister schaffte es ins Finale. „Das kann passieren – und macht’s doch gerade spannend“, sagte Jason Bartsch, nun Ex-Landesmeister und gemeinsam mit dem Bochumer Slam-Chef Sebastian23 Moderator des Finales.

Der Wald in Ostwestfalen

Doch auch ohne die alte Garde blieb vieles vertraut: Rhythmische Wortsalven an der Grenze zum Sprechgesang, wie der Slam-Freund sie seit Jahren kennt, sind offenbar immer noch angesagt. Was natürlich gut klingt, wenn man’s kann – wie Sven Hensel, der für den U20-NRW-Slam ins Rennen ging. Andere wagten sich an für Poetry-Slams eher ungewöhnliche Formen und Inhalte: Martin Frank aus Lemgo beschrieb in zarten, kunstvollen Versen den Wald seiner nur spärlich besiedelten Heimat.

Gewollt unfertige Texte wie die von Jan Schmidt führen den Zuhörer auf unterhaltsamen Wegen nach Absurdistan – den Slammer allerdings nicht ins Finale. Wenn schon absurd, dann richtig: Wie bei Johannes Floehr, der mit einer verschachtelten Geschichte über Menschen, die an Getränken nippen, den 3. Platz belegte.

Gegen Rassismus, gegen Homophobie

Platz 2 holte Tom Schildhauer. Seine Texte, einer gegen Rassismus, einer gegen Homophobie, basierten zwar auf dem gleichen Witz – aber das kam so gut an, dass ihm die Jury den Vize-Sieg gewährte. „Ich hab’ nix gegen Technik, aber die Maschinen nehmen uns die Arbeit weg“, persiflierte er eine bekannte Stammtisch-Parole.

Siegertext namens „Legohaus“

Doch mit „Legohaus“ stach Henrike Klehr eindeutig hervor: „Du bist nicht die Krankheit, sondern der aufrechte Gang“, schloss ihr Text, der vom zähen Ringen mit einem Vater handelt, der langsam im Nebel der Demenz versinkt. Persönliches und Schwermütiges ist auf Slam-Bühnen immer ein Wagnis. Für die neue NRW-Meisterin aus Recklinghausen hat sich der Mut gelohnt.

 
 

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