Hedda Gabler rockt ihre Welt

Drei Premieren in vier Tagen - am Schauspielhaus ist reichlich „traffic“, wie das auf Neudeutsch so schön heißt. Nach der starken Donnerstag-Uraufführung von Laura Naumanns „Raus aus dem Swimmingpool, ‘rein in mein Haifischbecken“ ging es am Freitag mit einer fesselnden „Hedda Gabler“ (Regie Roger Vontobel) weiter. Gefolgt von Lisa Nielebocks „Amphitryon“ am gestrigen Sonntag .

„Man kann eben zweierlei zugleich sein: eines Freundes guter Traum und das eigene böse Wachsein“, ist man geneigt mit Kafka zu sagen, wenn man an die „Hedda“-Aufführung zurückdenkt. Denn die Titelfigur, gelangweilt und getrieben zugleich, wird wohl von vielen begehrt, nur begehrt sie sich selbst nicht. Vielmehr richtet sie sich und ihre Welt sehenden Auges zu Grunde. 1890 aufgelegt, ist Ibsens Drama auch heute noch ein verstörendes Stück Theater.

In der Titelrolle ist Jana Schulz zu erleben, die gewohnt physisch und gewohnt großartig spielt, auch wenn die Zentrierung der Regie auf sie gelegentlich auf Kosten der anderen Protagonisten geht. Felix Rech als wuselnder Jörgen, Matthias Redelhammer als präpotenter Brack, Katharina Linder als klapperige Tante, Minna Wündrich als verstörte Frau Elvstedt, Florian Lange als kaputter Lövborg – alle scheinen wie Karikaturen angelegt, nicht wie lebende Menschen. Es sind Typen, derer sich Hedda entledigt. Vielleicht auch Typisierungen ihrer Selbst, personifizerte dunkle Flecke der eigenen Seele. Ein Gesellschaftsdrama ist dieser Vontobel-Ibsen nicht (mehr).

Die fast zweistündige Vorstellung, die ohne Pause auskommt, fesselt gleichermaßebn durch die groß aufspielenden Akteure und durch die einnehmende Optik. Claudia Rohners Bühne, simpel und komplex zugleich, stürzt nach und nach zu einem Riesenmüllhaufen zusammen. Videos von aufblühenden und welkenden Blüten, fressenden Insekten und Gift spritzenden Schlangen bebildern eine wilde Welt, die Hedda zwei kurzweilige Stunden lang rocken darf, ohne am Ende Applaus zu erhalten. Auf der Bühne, im Stück, wohlgemerkt. Das Premierenpublikum ließ es an Beifall nicht missen für eine konzeptionell möglicherweise zu eindimensionale Inszenierung, die gleichwohl starke Theaterbilder im Kopf zurücklässt.

 
 

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