Hartz IV für Referendare

Junge Mitglieder der GEW protestieren beim 2. Sekundarschultag auch gegen steigenden Prüfungsdruck.
Junge Mitglieder der GEW protestieren beim 2. Sekundarschultag auch gegen steigenden Prüfungsdruck.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto

Bochum. Gerne hätte die angehende Lehrerin an diesem Termin teilgenommen, hätte ihrem Ärger Luft gemacht, hätte darauf hingewiesen, dass das Lehramtsstudium derzeit wieder mit heftigen Zukunftsängsten verbunden ist. „Aber der Donnerstag ist unser Seminartag“, sagt die Referendarin aus Bochum, die lieber anonym bleiben will, die aber stellvertretend für die Referendarinnen und Referendare der Bochumer Schulen steht. Etliche werden Hartz IV beantragen müssen. Die Prognosen sind düster, die Chancen in Lohn und Brot zu kommen schlecht.

Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer wollten daher am Donnerstag beim 2. Sekundarschultag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW in Bochum an Schulministerin Sylvia Löhrmann 4000 Unterschriften überreichen. Sie wurden von Junglehrern vertreten. Die Schulministerin musste sich von Rainer Michaelis vertreten lassen, weil sie im Landtag Rede und Antwort stehen musste.

Arbeitslosigkeit scheint vorprogrammiert

So hörte sich Michaelis die Ausführungen von Hanna Tuszynski, Sprecherin der Jungen GEW, an. Sie machte die drängendsten vier Probleme deutlich. Die Dauer der Ausbildung sei zwar verkürzt worden, aber nicht deren Inhalte. „Die gleiche Anzahl von Unterrichtsbesuchen, die früher in 24 Monaten stattgefunden haben, nun in 18 Monate zu quetschen – das ist schon organisatorisch kaum zu schaffen.“ Die ohnehin schon knapp bemessene Zeit sei zudem ungerecht verteilt. „Ich hatte das Pech, im Mai anzufangen, da blieb mir ein Monat weniger Zeit für die Ausbildung als wenn ich erst im November den Vorbereitungsdienst angetreten hätte“, sagte Christian Jänig, ehemaliger Seminarsprecher der Grundschullehramtsanwärterinnen und –anwärter. Er hat inzwischen ein weiteres Studium aufgenommen.

Große Sorgen bereiten den fertigen Lehramtsabsolventen auch die Einstellungsperspektiven in den Schuldienst. Arbeitslosigkeit scheint vorprogrammiert, weil es praktisch keine Anschlussbeschäftigung nach dem Referendariat mehr gibt. „Es ist unfassbar, dass das Land als Monopolausbilder die fertigen Lehramtsanwärter in eine dreimonatige Zwangsarbeitslosigkeit schickt“, sagte Tuszynski. „Nicht nur, dass keine Zeit für die Begleitung durch Ausbildungslehrer bleibt, ich erwirtschafte durch die Ausbildung auch noch die Arbeitslosigkeit fertiger Absolventen.“ Der überwiegende Teil der geleisteten Unterrichtsstunden werde nicht nur selbstständig ohne fachliche Anleitung, sondern auch bedarfsdeckend erteilt und dadurch auch noch auf das Stellenbudget der Schule angerechnet.

 
 

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