Hartz-IV-Empfängerin muss in Ruine wohnen

Andreas Bartel
Das Haus an der Goldhammer Straße ist marode. Wohnung und Keller sind von Schimmel befallen, das Dach undicht. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Das Haus an der Goldhammer Straße ist marode. Wohnung und Keller sind von Schimmel befallen, das Dach undicht. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum. Der Keller vermüllt, die Decken abgestützt, die Wände schimmelig. Eine Hartz4-Empfängerin aus Bochum haust unter katastrophalen Bedingungen und fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. Auch ihr Vermieter hat sich aus dem Staub gemacht.

In der Zimmerdecke klafft ein 50 Zentimeter großes Loch. Was noch von ihr übrig ist, wird mit Stützen stabilisiert, die feuchten Wände sind von Schimmel befallen. Bei Regen tropft es herein, die Heizung wird nur lauwarm, und über den Boden krabbeln schwarze Käfer. Stefanie Spitzer, die diese Ruine ihr Zuhause nennt, klagt verzweifelt: „Ich bin ständig krank. Die ganze Hütte ist verseucht.“

Schon als sie die Altbauwohnung im August 2009 bezog, fiel ihr im Kinderzimmer ein schmaler Riss zwischen Wand und Decke auf. Der Vermieter sprach von einem harmlosen Aquarium-Schaden in der Wohnung darüber. Dass dort so genannte Messies wohnten, die zwar Vieles, aber kein Aquarium besaßen, fand Stefanie Spitzer erst später heraus.

In einer Wohnung hausten Messies

Nachdem im August dieses Jahres die verstopfte Dachrinne gereinigt wurde, begann es von der Decke zu tropfen. Bei Starkregen bildete sich gar eine Beule, erzählt die 36-Jährige. Das Dach des maroden Gebäudes soll schon seit drei Jahren kaputt sein. Am 20. August krachte dann ein Teil der Decke herunter, Stefanie Spitzer konnte sich soeben noch in Sicherheit bringen. Zusammen mit einem Nachbarn stützte sie die restliche Decke ab, betritt den Raum seitdem aber nicht mehr. Mit der Decke kamen aber auch ungebetene Gäste aus dem oberen Stockwerk: Stinkende Speckkäfer.

So schnell wie möglich will die Hartz IV-Empfängerin, die seit einem Verkehrsunfall unter Verletzungen der Wirbelsäule leidet, hier ausziehen, doch ihr Vermieter hat sich schon längst aus dem Staub gemacht, und von den Behörden fühlt sie sich im Stich gelassen: „Ich werde immer nur hin- und hergeschickt, aber wer hilft mir?“

Das Bauordnungsamt sperrte die oberste Etage des baufälligen Fünf-Parteien-Hauses bereits wegen Einsturzgefahr, und droht Stefanie Spitzer mit der Abschiebung ins Obdachlosenheim, wenn sie die Wohnung nicht innerhalb der nächsten fünf Wochen räumt.

Das Gesundheitsamt wiederum könne erst dann gegen die Käfer vorgehen, wenn es einen Auftrag der Arge erhalte. Das würde sie am liebsten sofort, doch sie wisse nicht einmal, wie groß ihre neue Wohnung sein darf, sagt sie. Die jetzige ist 75 Quadratmeter groß, die Arge wolle in Zukunft aber nur 60 Quadratmeter bezahlen.

Arge braucht Nachweise, um handeln zu können

Die würden Stefanie Spitzer alleine auch ausreichen, doch ihre Kinder, die überwiegend beim Ex-Mann leben, kommen häufig zu Besuch. „Vor allem an den Wochenenden und in den Ferien, aber auch zwischendurch“, sagt die Mutter der zehn- und elfjährigen Söhne. Nun hofft sie auf Hilfe vom Jugendamt, um eine größere Wohnung mit Kinderzimmer bewilligt zu bekommen. Außerdem verlange man von ihr ein neues Attest vom Amtsarzt, bevor der Umzug bezahlt werden könne.

Arge-Sprecher Johannes Rohleder kann die „persönlich schwierigen Verhältnisse“ zwar nachvollziehen, und sieht ebenfalls „massive Gründe“ für einen Umzug: „Die Schilderungen klingen wahrlich eklig.“ Dennoch betont er: „Wir sind an klare Richtlinien gebunden, brauchen Nachweise und müssen jeden Einzelfall prüfen.“ Er empfiehlt Stefanie Spitzer, so schnell wie möglich wieder das Gespräch zu suchen und Kontakt mit ihrer zuständigen Sachbearbeiterin aufzunehmen. „Nur dann können wir ihr helfen“, sagt Rohleder.