Handy kann tödliche Falle werden – auch bei Fußgängern

Eine junge Frau telefoniert mit ihrem Smartphone auf Bochumer Busbahnhof. Die Gefahr, dass man in solchen Situationen um sich herum nichts mehr mitbekommt, auch nicht einen sich nähernden Bus, ist groß. 
Eine junge Frau telefoniert mit ihrem Smartphone auf Bochumer Busbahnhof. Die Gefahr, dass man in solchen Situationen um sich herum nichts mehr mitbekommt, auch nicht einen sich nähernden Bus, ist groß. 
Foto: Funke Foto Services
Wer Handy und Kopfhörer im Straßenverkehr benutzt, sorgt für Lebensgefahr. Auch als Fußgänger. Dazu gab es eine Aufklärungskampagne am Bahnhof.

Bochum. Wer am Montag direkt vor dem Hauptbahnhof zu Fuß den Südring überquerte und dabei Handy oder Kopfhörer oder beides benutzte, bekam von der Polizei oder der Verkehrswacht zwei Handzettel überreicht. Darauf standen „Dein letzter Song!?“ bzw. „Deine letzte Nachricht!?“ Den Fußgängern sollte klargemacht werden, wie lebensgefährlich es ist, blind oder taub über die Straße zu laufen.

„Das ist die Pest“, hatte Bogestra-Chef Gisbert Schlotzhauer dieses Phänomen bei immer mehr Fußgängern einmal genannt. Er meinte die enorme Gefährdung für die Fußgänger selbst, aber auch für die Fahrgäste in Bus & Bahn. „Wir haben jeden Tag eine Notbremsung“, sagt Bogestra-Sprecherin Sandra Bruns. „Und im vorigen Jahr 100 Verletzte als Folge dieser Notbremsungen. Das finde ich schon krass, dass 100 Menschen unschuldig verletzt werden, weil man sich nicht an die Verkehrsregeln hält.“

„Ablenkung kostet Leben“

Strafbar oder eine Ordnungswidrigkeit ist es zwar nicht, mit Handy in der Hand oder Kopfhörer im Verkehr herumzulaufen. Wenn man dadurch aber einen (Beinahe-)Unfall provoziert, kann es trotzdem eine Anzeige geben.

„Es ist schon erstaunlich, wie viele Fußgänger telefonieren oder Kopfhörer haben“, sagt Polizeihauptkommissar Siegfried Klein. Das sehe er „erschreckend oft“. Für besonders intensive Nutzer gibt es das neudeutsche Wort „Smombie“: eine Mischung aus „Smartphone“ und „Zombie“.

„Ablenkung durch das Handy kostet Leben – auch Deins“, lautete der Titel dieser Aufklärungsaktion. Rund zehn Prozent aller Verkehrsunfälle mit Verletzten hätten Ablenkung als Ursache, denn 90 Prozent der Informationen über die Verkehrssituation würden mit den Augen aufgenommen, erklärte die Bogestra. „Wenn zu den 90 Prozent – Ablenkung durch den Blick auf das Handy – noch Kopfhörer kommen, nehmt Ihr freiwillig ,blind und taub’ am Straßenverkehr teil“, stand auf den Handzetteln, die die Verkehrswacht an der Ampel vor dem Bahnhof verteilte. Das geschah durch zwei „Ampel-Mädchen“ – ganz in Grün und ganz in Rot gekleidete junge Frauen. „Auch Fußgänger haben eine besondere Sorgfaltspflicht beim Überqueren der Fahrbahn. Konzentriere Dich aufs Wesentliche.“

Reaktionszeit wie bei Alkohol

Auch Autofahrer waren mit der gestrigen Kampagne angesprochen. Studien zufolge ist ein Autofahrer mit Handy in der Hand ungefähr so beeinträchtigt wie durch 0,8 Promille Alkohol. Ein einziger Blick aufs Handy würde bei Tempo 50 dazu führen, dass man 14 Meter im Blindflug zurücklegt.

In Bochum sind bisher keine sehr schweren Unfälle bekannt, die durch Fußgänger verursacht wurden, die vom Handy oder Kopfhörer abgelenkt wurden.

In Witten aber starb im August 2015 ein 19-Jähriger, der mit Handy und Kopfhörer im Ohr von einer Straßenbahn erfasst wurde.

In Herne musste im Vorjahr ein Busfahrer wegen eines telefonierenden Fußgängers so stark bremsen, dass sieben Schülerim Bus teils schwer verletzt wurden.

 
 

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