Handkes „Unvernünftige“ feierten in Bochum Premiere

Foto: Thomas Aurin
Zeitlose Kapitalismus-Farce? Nicht mehr ganz so präsent ist Peter Handkes Stück „Die Unvernünftigen sterben aus“. Zur Spielzeiteröffnung hat Bochums Schauspielhaus das Stück wieder in den Spielplan genommen. Keine große Inszenierung, aber doch ein Abend über die prophetische Gabe der Literatur.

Bochum. Quitt heißt die Hauptfigur in Peter Handkes „Die Unvernünftigen sterben aus“, entstanden 1973, formal weit weg von jenen sprachzertrümmernden Bühnenexzessen wie „Kaspar“ und „Publikumsbeschimpfung“, die den Autor zuvor berühmt und berüchtigt machten. Jener Quitt ist Unternehmer, im Theaterkontext ein später Nachfolger von Brechts Schlachthof-Monstrum Mauler und Vorgänger der zynischen Managertypen aus Urs Widmers „Top Dogs“. In Bochum hat Alexander Riemenschneider ihn in drei identischen, um die Achse der Drehbühne kreisende, Warte-Räume gestellt. Zwei Türen verbinden diese jeweils: Bühne frei für türenschlagenden Sozial-Boulevard.

Denn in etwa so etwas versucht der Regisseur aus der (schon so oft auf Bühnen gescheiterten) Kapitalismus-Farce-Vorlage zu schnitzen, die voll ist von fast Oscar-Wilde-haften Pointen und Einsichten, von heute fast visionären Blicken auf Werbung, Konsum und Massen-Psychologie – und doch über weite Strecken nur ein Theorie-Stück voller Typen und Masken ist, das sich vergeblich an der Innenwelt der kapitalistischen Außenwelt versucht.

Matthias Redlhammer spielt den Quitt als gelangweilt-genialischen Dandy-Fiesling, der ohne nähere Erklärung ein böses Spiel treibt mit den Klischee-Kapital-Kumpanen, die aber bis auf Kristina Peters als Unternehmerin Paula Tax recht blass bleiben müssen in den knapp zwei Stunden. Mit ihr wird auch noch ein wenig stilisiert-erotischer Geschlechterkampf betrieben, für das bisschen Klassenkampf ist Kleinaktionär Kilb (Daniel Stock als Wutbürger mit transparenter Oberbekleidung) zuständig.

Die Inszenierung ironisiert die vorgebliche Konventionalität des Stoffes ein wenig, bleibt aber doch brav. Sie poliert aber immerhin mithilfe solider Ensembleleistung die sprachlich-philosophischen Bravour-Dialoge kräftig.

Nächste Vorstelllungen: 5., 19., 22. 10.; (0234) 3333 5555.

 
 

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