Häftling beklagt Personalmangel in der JVA Bochum

Bernd Kiesewetter
Ein Flur mit Hafträumen in einem der neueren Gebäudetrakte der JVA Bochum.
Ein Flur mit Hafträumen in einem der neueren Gebäudetrakte der JVA Bochum.
Foto: WAZ
Er setzte eine Petition ans Land NRW auf. Hoher Krankenstand führe zu vielen Ausfällen bei Sport-und Sozialangeboten. Personalratschef: „Das geht teilweise an die Substanz“.

Bochum. „Die Atmosphäre ist schlicht im Keller und droht zu eskalieren.“ Das schreibt ein Gefangener (39) der JVA Bochum und weist damit auf einen aus seiner Sicht dramatischen Personalmangel hin. Weil sehr viele Vollzugsbeamte krank seien oder aus anderen Gründen fehlten, würden sehr viele Sportangebote, die Besuchsmöglichkeiten und Resozialisierungsmaßnahmen für die Gefangenen (Begleitausgänge usw.) stark gekürzt.

Der Häftling hat eine Petition an das Land NRW aufgesetzt und dafür bereits Unterschriften unter Mitgefangenen gesammelt, „um ein Umdenken zur Personallage in der JVA Bochum erreichen zu können“.

689 Häftlinge und 283 Vollzugsbeamte in Krümmede

In der JVA „Krümmede“ sind zurzeit 689 Häftlinge eingesperrt, sie ist damit fast komplett ausgelastet. Insgesamt 283 Vollzugsbeamte arbeiten dort. Zwischen Januar und Mai diesen Jahres waren im Durchschnitt rund 40 Kräfte krankgeschrieben. Das sind mehr als 14 Prozent. Hinzu kommen Abwesenheiten wegen Urlaubs und Überwachung von Gefangenen in Krankenhäusern. „Es ist manchmal eng“, sagt Personalratschef Wolfgang Paßmann. „Aber das fangen unsere Kollegen durch hohes Engagement auf.“ Er fügt jedoch hinzu: „Das geht teilweise schon an die Substanz. Wir haben einen hohen Krankenstand – unbestritten.“

Der Häftling, der wegen Drogenanbaus eine Haftstrafe von fünf Jahren und acht Monaten verbüßt, meint, dass „insgesamt fast 40 Prozent aller Mitarbeiter nicht zur Verfügung stehen“. Und die Kernurlaubszeit stünde noch bevor. „Alle Inhaftierten entwickeln naturgemäß Aggressionen, können teilweise nicht angesprochen werden, weil sie gereizt sind und zur Gewalt neigen.“ Es gebe „unzählige körperliche Auseinandersetzungen“. Auch Fachdienste und JVA-Kräfte seien „extrem angespannt“ und würden das die Häftlinge „spüren“ lassen.

Besuchsdienst falle nicht aus

JVA-Leiter Thomas König bestreitet, dass fast 40 Prozent der Mitarbeiter fehlen würden. „Davon kann keine Rede sein.“ Allerdings bestätigt er, dass wegen Personalmangels vereinzelt Sportangebote ausfallen: im April zum Beispiel an 13 Tagen, im Mai an sieben Tagen. Die Personalsituation„kann schon mal zu Engpässen führen“. Vorrangig seien dann aber die Sicherheit und Ordnung, so dass es anderswo Einschränkungen gebe. Jetzt in der Urlaubszeit sei die Lage „etwas kribbelig und eng“.

Der Besuchsdienst jedoch falle keineswegs aus, sondern werde höchstens mal verschoben oder es käme zu längeren Wartezeiten. Einen Zusammenhang zwischen körperlichen Streitigkeiten unter Gefangenen und der Personallage sieht König nicht.