„Gute Nacht, Marie“ - Bochums Opelaner ohne Hoffnung

Sabine Vogt
Eduard Zadroviz (32 Jahre) hat soeben seinen „Quick-Reifendiscount“ gegenüber vom Opelwerk eröffnet. Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
Eduard Zadroviz (32 Jahre) hat soeben seinen „Quick-Reifendiscount“ gegenüber vom Opelwerk eröffnet. Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
Foto: Haenisch / waz fotopool
An diesem Freitag ist Freischicht im Opel-Werk Bochum, einige Opelaner sitzen in der „Bürger-Klause“ zusammen zum Quatschen, Kniffeln und Bier trinken. Hoffnung haben sie keine mehr. Zum Hickhack über die Zukunft ihres örtlichen Arbeitgebers sagen sie: „Ist doch egal. Wird ja eh bald dicht gemacht.“

Bochum. Jeder Opelaner, den man in Laer auf seinen Arbeitgeber anspricht, winkt ab. Frank ist einer von ihnen, und er mag seinen vollen Namen nicht nennen. Die lassen den Betrieb verkommen, wirft ihm ein Kumpel das Stichwort zu, und Frank zuckt mit den Schultern: „Ist doch egal. Wird ja eh’ bald dichtgemacht.“ An diesem Freitag ist Freischicht im Bochumer Werk, und so sitzt eine Handvoll Männer im der „Bürger-Klause“ zusammen zum Quatschen, Kniffeln und Bier trinken. „Früher“, so sagt Gisela, die in der Wohnung drüber wohnt, „war’s hier immer proppenvoll. Die Zeiten sind längst vorbei.“

Am Tresen auch ein ehemaliger Opelaner: Der 44-Jährige hat in der Lackierei gearbeitet, bis er 2005 das Werk verließ. Seinen Namen will auch der Schlosser nicht verraten; seine Schwester und sein Bruder arbeiten noch dort, er wolle ihnen keinen Ärger bescheren. „Ich bin froh, dass ich den Absprung geschafft habe; heute arbeite ich bei einem Unternehmen, das nicht von Opel abhängig ist. Die Leute werden doch von GM systematisch verarscht. Keiner kann sich eine Existenz aufbauen, seit Jahren droht das Aus für Bochum.“

Nebenan hat Eduard Zedroviz (32) vor kurzen seinen Reifenhandel aufgemacht. „Natürlich auch mit Blick auf den Standort, wir haben gehofft, von der Nähe zum Werk profitieren zu können. Was man jetzt so hört, ist wahrlich kein gutes Zeichen. Ich hoffe aber dennoch, dass der Standort erhalten bleibt, eventuell über den PSA-Konzern. Letztlich wäre es doch egal, ob hier der Zavira oder Peugeot oder Citroen gebaut würden.“ Und so lässt er sich nicht abbringen: Gestartet wird an direkt neben der neuen Tankstelle an der Wittener Straße mit drei bis vier Mitarbeitern. Wenn die Saison beginnt, will er mehr einstellen.

„Daumen drücken"

Mit Opelanern hat Christiane Gust nicht so viel zu tun. Seit eineinhalb Jahren betreibt sie einen kleinen Blumenladen an der Alten Wittener Straße. „Ich drücke jedem einzelnen die Daumen, dass er seinen Arbeitsplatz behält. Ich befürchte aber nicht, dass hier in Laer alles wegbrechen wird, sollte das Werk geschlossen werden. Hier hat sich einiges getan.“

Veyse Yildirim (42) betreibt ein paar Meter weiter einen kleinen Kiosk. Er hat viele Kunden, die bei Opel arbeiten, sich mit Zigaretten, Süßigkeiten und Getränken versorgen. Er würde es allein schon deshalb bedauern, wenn der Standort geschlossen würde. „Ich höre oft von den Leuten, dass sie seit Jahren ins Wechselbad der Gefühle geschmissen werden. Die Angst ist ständiger Begleiter: Ob sie morgen noch ihren Arbeitsplatz haben?“ Er meint, General Motors sollte ehrlich sein und endlich einen Schlussstrich ziehen, quasi als Ende mit Schrecken.

In der Metzgerei neben der Sparkasse an der Alten Wittener Straße sind Opel-Arbeiter Stammkunden. „Die kommen und holen sich morgens ihre belegten Brötchen und mittags schneien viele auf einen Imbiss hinein“, sagt Sabine van Wijk. Die drohende Werksschließung aber sei unter den Opelanern in der Pause längst kein Thema mehr. „Darüber wird schon gar nicht mehr gesprochen.“ Sie selbst fürchtet durchaus um ihre Existenz, wenn es den Standort Opel nicht mehr gibt. „Was es für unseren Betrieb bedeutete? Gute Nacht, Marie!“