Bochum

„Hart aber fair“ in der ARD: Reinigungskraft aus Bochum schimpft über die geplante Grundrente – „es gibt ein anderes Problem“

Foto: Screenshot ARD

Bochum. Über die Grundrente wird derzeit viel diskutiert. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) möchte in Deutschland ein neues Konzept einführen, das sicherstellen soll, dass Geringverdiener nach einem langen Arbeitsleben eine höhere Rente bekommen.

Die Grundrente soll denjenigen Rentnern zustehen, die mindestens 35 Beitragsjahre angesammelt haben, also 35 Jahre lang gearbeitet oder in dieser Zeit Kinder erzogen bzw. Angehörige gepflegt haben.

„Hart aber fair“: Reinigungskraft aus Bochum zu Gast bei Plasberg

Auch Frank Plasberg bat seine Gäste am Montagabend bei „Hart aber fair“ in der ARD zur Diskussionsrunde über die Grundrente. Zu Gast waren unter anderem Heil und die Bochumerin Susanne Holtkotte, die als Reinigungskraft in einem Krankenhaus arbeitet. Das am Rentensystem etwas geändert werden soll, findet sie grundsätzlich gut.

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Grundrente „grundsätzlich gut, aber es gibt ein anderes Problem“

Aber: Es gebe ein anderes Grundproblem, findet sie und fordert: „Wir müssen vernünftige Löhne haben!" Derzeit verdient sie nur zwischen 1100 und 1150 Euro im Monat, arbeitet dafür in Vollzeit. „Das Gehalt variiert von Monat zu Monat, je nach Arbeitstagen“, sagt sie. Ihre monatlichen Fixausgaben liegen eigenen Angaben zufolge bei mehr als 700 Euro. Zum Sparen bleibt da nicht viel übrig.

Als Bezieherin der Grundrente würde die Frau aus Bochum 1002 Euro erhalten – brutto, das sei zu wenig: „Davon kann ich meine Rechnungen nicht bezahlen.“

Sie klagt an: „Es gibt immer schlaue Ideen, das ist nichts Neues. Das gibt es schon seit 20 oder 30 Jahren.“

Hubertus Heil verteidigt Grundrente und wird deutlich

Hubertus Heil verteidigt sein Konzept und macht noch einmal deutlich: „Es geht um die Frage, ob diese Gesellschaft ein gestörtes Verhältnis zu Arbeit hat. Wir sollten Respekt vor Menschen haben, die lange gearbeitet und geackert haben. Da ist es unfair, dass sie die gleichen Ansprüche haben wie andere, die nicht gearbeitet haben.“

Doch dann zeigt Plasberg dem Arbeitsminister an einem Beispiel auf, dass das Konzept möglicherweise doch seine Nachteile hat: 18 Jahre lang muss Susanne Holtkotte noch arbeiten, um 35 Jahre Beitragsjahre gesammelt zu haben und somit einen Anspruch auf die Grundrente zu haben.

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Grundrente: „Fleißige Menschen haben es verdient“

Derzeit arbeitet sie Vollzeit. Würde sie in den nächsten 18 Jahren jedoch nur noch in Teilzeit zur Arbeit gehen, so bekomme sie nur 25 Euro weniger Grundrente, also 977 Euro – müsse aber gleichzeitig auch nur halb so viel arbeiten. Weil sie in der Vergangenheit schon häufiger Probleme mit der Bandscheibe hatte, würde ihr wohl nicht mehr gestrichen.

„Für mich ist das indiskutabel, ich gehe arbeiten“, sagt die Bochumerin. Aber die Möglichkeit bestehe trotzdem.

Widerlegt dieses Beispiel das Konzept der Grundrente? „Nein!“, ist sich Heil sicher. „Menschen, die aufstehen und arbeiten, sollen abgesichert sein. Einzelbeispiele sind kein Grund, das Modell für die Menschen, für die wir das tun, abzulehnen.“ Denn, so der Politiker: „Sie haben es verdient, eine Sicherung zu haben, wenn sie fleißig waren.“

 
 

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