Grün trifft Kunst

Jürgen Boebers-Süßmann
Vor dem Schauspielhaus wurde geschnibbelt, was das Zeug hält. Foto: Marcus Simaitis / WAZ FotoPool
Vor dem Schauspielhaus wurde geschnibbelt, was das Zeug hält. Foto: Marcus Simaitis / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr in Deutschlands Mülltonnen. Dabei sind die Lebensmittel oft nicht verdorben, sondern nur schrumpelig. In Bochum wurde jetzt mit einer "Schnibbel-Disco" auf diese Verschwendung aufmerksam gemacht.

Bochum. Das Festival „n.a.t.u.r. – natürliche Ästhetik trifft urbanen Raum“ will zur Auseinandersetzung mit dem Thema „Natur in der Stadt“ anregen. Was erstmal konstruiert klingt, ist in Wirklichkeit eine quicklebendige Sache. Wie man bei bestem Frühlingswetter auf dem Theaterplatz erleben konnte.

Ein DJ legte auf, Akteure aus dem Schauspielhaus – allen voran Dramaturg Olaf Kröck im Freak-Outfit - wuselten herum, und an langen Bierzelttischen saßen sicher über hundert Menschen und – schnibbelten. Sparschäler und Küchenmesser, wohin man blickte. Dazu Schüsseln mit Wasser, Schneidebrettchen, Abfalltonnen.

Schnibbel-Disco macht auf Verschwendung aufmerksam

Bei dieser groß angelegten Gemüseputzaktion unter freiem Himmel (so etwas hat Bochum gewiss noch nicht erlebt) wurde geschält, geschnitten, gehäckselt und gehackt , was das Zeug hält. Jeder, der wollte, durfte sich aus großen Gemüsekisten bedienen, die überall herumstanden. Eingesammelt hatte das Grünzeug die Organisatoren des n.a.t.u.r.-Festivals; zusammen mit dem Schauspielhaus und dem Youth Food Movement aus Berlin war schließlich dann die die Open Air-Gemüseküche aufgebaut worden.

Hintegrund: Unmengen Lebensmittel laden in Deutschland tagtäglich im Müll, 11 Millionen Tonnen (!) im Jahr. Einzig aus dem Grund, weil sie schrumpelig sind oder andere Macken haben, und deshalb als nicht mehr verkaufbar gelten. „Mit der Schnibbel-Disco soll auf diese Verschwendung aufmerksam gemacht und ihr auch ein Stück weit entgegen gewirkt werden“, betonte Mit-Veranstalter Stefan Richter.

Suppenlöffel, groß wie ein Holzpaddel

Die vitaminreiche, angebliche „Ausschussware“ kam von Großhändlern, alles was zu klein, zu groß oder zu krumm ist, um in den Einzelhandel zu gelangen, wurde nun gemeinsam zerkleinert, danach gekocht - und dann natürlich auch verputzt. „Um 17.30 Uhr tischen wir auf“, verriet Koch Wam Kat, ein Niederländer aus Berlin, der nachmittags mit einem Suppenlöffel, groß wie ein Holzpaddel, in seinem XXL-Topf rührte, wo die Gemüsesuppe vor sich hin köchelte und ein wahrlich genussvolles Aroma über dem Theaterplatz verströmte.

Nach der kostenlosen Speisung der Gäste war am Abend das Wiener Gemüseorchester im Schauspielhaus zu Gast, das mit Gemüse, Mixer und Entsafter Musik machte.