Großer Protest gegen Flüchtlingslager in Bochum-Stiepel

Anwohner in Stiepel haben eine Bürgerinitiative gegründet. Sie wehren sich gegen Planungen, auf einer städtischen Wiese In der Hei (im Hintergrund) eine Unterkunft für 450 Flüchtlinge zu errichten.
Anwohner in Stiepel haben eine Bürgerinitiative gegründet. Sie wehren sich gegen Planungen, auf einer städtischen Wiese In der Hei (im Hintergrund) eine Unterkunft für 450 Flüchtlinge zu errichten.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Bürgerinitiative in Stiepel stemmt sich gegen Pläne für Unterkunft In der Hei. Der Bezirksbürgermeister zeigt dafür aber wenig Verständnis.

Bochum. Erneut formiert sich massiver Protest gegen einen Standort für eine Flüchtlingsunterkunft in Bochum. In Stiepel haben über 100 Anwohner eine Bürgerinitiative gegründet. Sie stemmen sich gegen eine Container-Anlage In der Hei.

Weitere 450 Flüchtlinge will die Stadt in Stiepel unterbringen. Die Bezirksvertretung setzte im März mehrheitlich eine 12.000 Quadratmeter große städtische Wiese In der Hei auf Platz 1 der Liste. „Zwar wäre der Aufwand zur Herrichtung beträchtlich. Aber der Standort ist vom Ortskern am besten zu erreichen“, sagt Bezirksbürgermeister Helmut Breitkopf-Inhof (SPD).

Zahlreiche Anwohner gehen gegen die Planung auf die Barrikaden. Im Klosterhof schlossen sie sich in dieser Woche zu einer Bürgerinitiative zusammen. „Natürlich müssen die Flüchtlinge irgendwo untergebracht werden, auch bei uns im Süden. Aber dieses ist die ungeeignetste aller Flächen“, erklärt Sprecher Michael Lodwig und listet etliche Nachteile auf, die die Nachbarn In der Hei ausmachen: u.a. die abschüssige Hanglage des Ackers, der aufwendig begradigt werden müsste, drohende Gebäudeschäden durch Überschwemmungen, keinerlei Infrastruktur, eine Gefährdung auf der unzureichend befestigten Kemnader Straße und die direkte Nähe zu zwei Kindergärten. „Hinzu kommt: Die Fläche befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet. Und: Wenige hundert Meter entfernt, an der Unterfeldstraße, gibt es bereits eine Unterkunft für 250 Flüchtlinge“, so Michael Lodwig.

Ausweitung der Proteste geplant

Was die Anwohner (einige sind selbst in der Flüchtlingshilfe engagiert) am meisten erzürnt: „Sämtliche Planungen laufen über unsere Köpfe hinweg.“ Das Votum im Bezirk sei „im Blitzverfahren und per Überraschungseffekt“ erfolgt. Es gebe keinerlei Bürgerbeteiligung.

„Die ist zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht vorgesehen“, entgegnet Breitkopf-Inhoff. Eine Entscheidung sei längst nicht gefallen. Erst in der nächsten Woche werde die Stadt beginnen, die von der Politik vorgeschlagenen Standorte zu prüfen. Ob er den Bürgerprotest in Stiepel gleichwohl nachvollziehen könne? „Kein Kommentar.“

Die Stadt verteidigt ihr Vorgehen. „Auch wenn zurzeit die Zuweisungszahlen rückläufig sind, müssen wir auf kurzfristig wieder steigende Flüchtlingszahlen vorbereitet sein“, so Sprecherin Barbara Gottschlich auf WAZ-Anfrage. Der Standort In der Hei werde intensiv untersucht. Eine Bürgerinformationsveranstaltung erscheine aber erst sinnvoll, wenn geklärt worden ist, dass gebaut wird.

Derweil plant die Bürgerinitiative eine Ausweitung ihrer Proteste: „Wir verlangen Antworten auf unsere berechtigten Fragen!“

 
 

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