Großer Abschied für Kleinebrahm

Michael Weeke
IG Metall Verabschiedung Ulrike Kleinebrahm (rechts) mit Eva Kerkemeier (Nachfolgerin) und Ludger Hinse (Vorgänger).jpg
IG Metall Verabschiedung Ulrike Kleinebrahm (rechts) mit Eva Kerkemeier (Nachfolgerin) und Ludger Hinse (Vorgänger).jpg
Foto: WAZ

Bochum. Nach über 40 Jahren im Beruf und rund 27 Jahren an den Schaltstellen der Gewerkschaften verabschiedete sich Ulrike Kleinebrahm (58) in der vergangenen Woche mit einem Empfang im Jahrhunderthaus. Die letzten sechs Jahre stand sie als 1. Bevollmächtigte der IG Metall an der Spitze dieser gerade in den letzten Monaten wieder geforderten größten DGB-Einzelgewerkschaft.

„In Bochum zu arbeiten, war für mich immer etwas Besonders. Denn egal, mit wem ich es hier zu tun hatte, der Kontakt lief immer auf Augenhöhe. Das habe ich so woanders nicht erlebt“, sagte Kleinebrahm. Wie, um das zu unterstreichen, unterstrich dies beim Abschiedsempfang etwa der Geschäftsführer der Bochumer Arbeitgeber, Dirk- W. Erlhöfer: „Bei allen Konflikten gab es hier nie Klassenkampf, sondern immer der Versuch, eine pragmatische Lösung zu finden.“ Der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Eiskirch sprach von einer „tofften Frau“. Für ihn war wichtig, dass es mit Kleinebrahm wieder zum regelmäßigen Austausch zwischen Partei und Gewerkschaft gekommen sei.

Werdegang einer Frau

Die in Essen geborene Ulrike Kleinebrahm lernte bei Krupp den Beruf der Physiklaborantin und arbeitet bis 1977 in der Krupp-Forschung. Doch es hielt sie dort nicht. Das Studium der Politikwissenschaften schloss sie in Berlin mit dem Diplom ab. Erstmals 1985 kam sie als Jugendbildungsreferentin nach Bochum. Weitere Stationen waren beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt, die Hans-Böckler Stiftung, bis sie 1992 DGB-Vorsitzende in Bochum wurde. 1996 wurde die Geschäftsführerin der IG Metall Bochum und arbeitete zehn Jahre eng mit Ludger Hinse zusammen, ihrem Vorgänger.

All das ließ als Hauptredner Bertin Eichler vom IG Metall-Vorstand Revue passierten. Allein schon sein Erscheinen zeigte, dass es nicht irgendeine IG Metall-Gliederung ist, der Ulrike Kleinebrahm vorstand.

kraft tanken

In den letzten Jahren war ihre Arbeit vor allem geprägt von großen Umwälzungen: „Es war für mich frustrierend, dass es nicht gelungen ist, das Nokia-Werk hier zu retten“. Ähnliches deute sich jetzt im Falle von Opel an, immer dann wenn internationale Konzerne das Sagen hätte, wären die Einflussmöglichkeiten begrenzt. Dagegen freute sie sich über Erfolge, bei anderen Firmen, hier hätten etwa über Haustarife in ihrer Existenz massiv bedrohte Firmen gerettet werden können.

Jetzt wird sie für ein paar Monate nach Schottland reisen, wo sie Abstand gewinnen und bei ihrer Familie neue Kraft tanken möchte.