Größtes Solarkraftwerk entsteht auf der Deponie

Am Mittwoch, den 22.09.2010 errichten Mitarbeiter der Firma Beck Energy ein Ständerwerk für Solar-Panele auf dem Südhang der geschlossenen Müll-Deponie Bochum-Kornharpen. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Am Mittwoch, den 22.09.2010 errichten Mitarbeiter der Firma Beck Energy ein Ständerwerk für Solar-Panele auf dem Südhang der geschlossenen Müll-Deponie Bochum-Kornharpen. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Bochum. Geht alles nach Plan, wird in wenigen Jahren auf der Zentraldeponie Kornharpen Bochums größtes Solarkraftwerk arbeiten.

Wenn sich mal wieder eine Möwe an den Hängen des Berges, der einmal die Zentraldeponie Kornharpen war, verirrt, muss sie gut Acht geben, dass sie nicht geblendet wird. Der Umweltservice Bochum (USB) lässt dort derzeit das zweitgrößte Bochumer Solarkraftwerk in exponierter Südlage bauen. Die süddeutsche Spezialfirma „Beck-Energy“ hat sich bereit erklärt, das Wagnis bei einer Neigung bis zu 30 Prozent und möglichen Setzungen einzugehen: Im November soll die Anlage, die eine Fläche von 13 000 qm bedeckt, ans Netz gehen. Sie liefert mit rund 725 000 kWh pro Jahr den Jahresstrombedarf von 168 Haushalten.

Wer in diesen Tagen, in der Nähe der auslaufenden Deponie unterwegs ist, wundert sich über rege Bautätigkeit: „Bevor der Winter kommt, müssen die Arbeiten abgeschlossen sein, sonst wird es schwer“, sagt Betriebsleiter Christoph Dörschug. Geht alles gut und die Konstruktion aus Metall, Holz und modernen Solarmodulen erfüllt ihre Aufgabe an diesem Standort, soll weiter ausgebaut werden. Bis zu einer Fläche von 32 000 qm ist dies prinzipiell möglich. Damit nähme das Sonnenkraftwerk eindeutig den Spitzenplatz in Bochum ein. Der USB investiert auf dem Gelände der ehemaligen Zentraldeponie zwei Millionen Euro.

Zum Vergleich: Die zur Zeit noch größte Photovoltaik-Anlage in der Stadt auf den Dächern des Hannibal-Einkaufscenters an der Dorstener Straße mit 10 000 Solarmodulen bedeckt eine Fläche von 28 000 qm. Sie wurde Ende letzten Jahres offiziell in Betrieb genommen.

Die Zentraldeponie Kornharpen auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Caroline untersteht noch rund 30 Jahre nach der Schließung dem Abfallrecht. Eröffnet wurde die Deponie 1978, seit Juli 2009 läuft die Stilllegungsphase. Nur noch ausgewählte Mengen an Bauschutt und Asche aus Müllverbrennungsanlagen dürfen angeliefert werden.

Schon jetzt liefert die riesige Deponie mit ihren rund 12,6 Millionen Tonnen an Hausmüll und Bauschutt Energie. Über 54 bis zu einer Tiefe von rund 40 Metern in den Berg gebohrten Gasbrunnen wird Deponiegas abgesaugt. Dieses wird vor Ort in Strom und Fernwärme umgewandelt.

Dass das neue Solarkraftwerk im Prinzip funktioniert, hat der USB bereits erfolgreich getestet. Im Sommer 2008 nahm ein Mini-Werk seinen Dienst auf und lieferte bereits Strom. Jetzt liegt das Hauptproblem darin, die möglichen Setzungsbewegungen der Deponie auszugleichen. Doch Christoph Dörschug ist sich sicher: „Ich denke, dass wir dieses Thema hier gut in den Griff bekommen werden.“

 
 

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