Herne

Grausamer Kindermord in Herne: Warum Aufrufe zur Lynchjustiz böse enden können

Foto: Polizei/KDF-TV Stephan Witte
  • Die grausame Mord-Tat in Herne bewegt viele Menschen
  • In sozialen Medien verleihen viele ihren Gefühlen Ausdruck
  • Manche rufen zu Jagden und Lynchjustiz auf
  • Das kann strafbar sein - und wirklich böse enden

Herne. Die Nachricht über den schrecklichen Kinder-Mord in Herne bewegt die Menschen. Viele sind entsetzt, traurig, wütend. Und manche suchen in den sozialen Medien ein Ventil für ihre Gefühle.

Viele haben das Bedürfnis, einfach ihr Mitgefühl auszusprechen.

Andere verleihen ihrer Wut über die Brutalität des Täters deutlich Ausdruck. Das ist verständlich - und in Ordnung.

Einige aber gehen weiter: Sie rufen konkret zu Gewalt auf. In vielen Facebook-Posts, die den Herner Mordfall behandeln, tauchen solche Aufrufe auf. Auch beim Facebook-Auftritt von DER WESTEN passiert das.

„Quält ihn langsam, die Drecksau“

„Enzo Coloni*, Ihr macht das schon, wenn ihr ihn findet, quält ihn langsam, die Drecksau“, schreibt zum Beispiel einer. „Ich werde ihn an den Eiern aufhängen und dann genüsslich totprügeln“, ein anderer.

Bei all der Fassungslosigkeit, die die grausame Tat auslöst: Aussagen wie diese können je nach Fall strafbar sein. Wir als Redaktion entfernen alle Posts, die gegen deutsches Recht verstoßen. „Solche Aussagen in sozialen Medien kann man als öffentliche Aufforderung zu Straftaten deuten“, sagt der Essener Rechtsanwalt Nikolai Odebralski.

Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren

Falls jemand einer solchen Aufforderung nachkommt, machen sich Nutzer, die so etwas schreiben, zu Anstiftern. Und selbst, wenn nichts passiert: Eine öffentliche Aufforderung zu einer Straftat kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Und auch, wenn man glaubt, den Täter zu sehen: Einfach angreifen darf man ihn nicht. „Theoretisch darf man ihn festhalten, bis die Polizei eintrifft. Aber auch das würde ich nicht empfehlen, da der Verdächtige ja mit dem Rücken zur Wand steht. Er hat nicht viel zu verlieren, und könnte ja bewaffnet sein“, sagt Odebralski und betont: „Wie die Polizei ja empfiehlt, sollte jeder, der den Mann sieht, sofort die 110 wählen.“

Was, wenn jemand dem Täter nur ähnlich sieht?

Was außerdem jeder, der an Selbstjustiz denkt, verstehen muss: Erstens ist sie in einem Rechtsstaat grundsätzlich falsch. Zweitens kann es sehr leicht passieren, dass ein selbsternannter Verbrecherjäger jemanden erwischt, der dem Gesuchten vielleicht nur ähnlich sieht.

Deshalb: Die Verbrecherjagd ist Aufgabe der Polizei.

*Name geändert

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