GLS-Chef Jorberg - Finanzsystem leidet an Burn-Out-Syndrom

Thomas Schmitt
Jahr für der gleiche Kurs. Die nach eigenen Angaben erste sozial-ökologische Bank, die GLS-Bank in Bochum, steigert ihre Kunden- und Mitarbeiterzahl, ihre Kreditvergaben und ihre Bilanzsumme. Die Mitglieder der Genossenschaftsbank dürfen sich jetzt auch über Dividenden freuen.

Bochum. Klingt absurd, ist aber logisch: eine Bank gewinnt dank Bankenkrise. Der Vertrauensverlust vieler Menschen in die Kapitalmärkte und die Macher in der Finanzwelt lässt die GLS-Bank wachsen. 2011 begrüßte sie 25.000 Neukunden, schaffte 84 neue Arbeitsplätze und steigerte ihre Bilanzsumme auf 2,26 Milliarden Euro.

Vorstandssprecher Thomas Jorberg bescheinigte dem Finanzsystem Mittwoch bei der Bilanz-Pressekonferenz der GLS (Geben, Leihen, Schenken) ein Burn-Out-Syndrom. Es fehle vielerorts an Zielen und Visionen für den sinnvollen Einsatz von Kapital. Das System zerstöre sich selbst „und ist nicht mehr leistungsfähig für unsere Gesellschaft“, sagte Jorberg.

Mikrokredite sind der Renner

Das Geschäft der nach eigenen Angaben ersten sozial-ökologischen Bank der Welt boomt, weil immer mehr Menschen wissen wollen, was mit ihrem Geld passiert. Die Öko-Bank fördert nur ausgewählte Projekte. 2011 finanzierte sie 17.480 Kredite (Volumen: 500 Millionen Euro) in den Bereichen Soziales und Bildung (40,1 %), ökologisch orientierte Unternehmen (41,4 %) und ökologischen Wohnungsbau (18,5 %).

Ein Renner sind auch die Mikrokredite der GLS. 6600 Verträge mit einer Kreditsumme von durchschnittlich 6200 Euro wurden seit Anfang 2010 abgerufen. Das Geschäftsmodell der GLS überzeuge vor allen Dingen junge Leute und Menschen um die 40, berichtete Vorstand Andreas Neukirch.

Filialen in Berlin und München

Ende 2011 zählte die GLS-Bank mit Sitz in Bochum und Filialen in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg und München insgesamt 116.500 Kunden, rund 24.000 sind Mitglied der Genossenschaft, ihre Anteile summieren sich auf 45 Millionen Euro. Seit neuestem erhalten die Genossen eine Dividende (2 bis 4 Prozent). Die GLS-Bank erhöht so im Hinblick auf Basel III ihre Attraktivität, um mehr Eigenkapital zu generieren. Die Rechnung scheint aufzugehen. Seit Einführung der Dividende am 3. Dezember flossen acht Millionen Euro neu aufs Guthabenkonto der Genossenschaft.

Zahlen 2011 (in Euro) – Bilanzsumme: 2,26 Mrd (+22,5 %); Kundenkredite: 1,12 Mrd (+28 %); Kundeneinlagen: 1,97 Mrd (+22,9 %); Eigenkapital: 117 Mio (+35,2 %); Rücklagenbildung: 8,9 Mio. Bilanzgewinn: 338.000.

Mitarbeiter: 407 – 335 in Bochum.