Gewerkschaft übt scharfe Kritik am Feuerwehreinsatz in Bochum

Sechs Minuten nach dem Alarm waren die ersten Feuerwehrkräfte am Bergmannsheil – zwölf Männer. Foto:Ingo Otto
Sechs Minuten nach dem Alarm waren die ersten Feuerwehrkräfte am Bergmannsheil – zwölf Männer. Foto:Ingo Otto
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  • Am Löscheinsatz der Feuerwehr im Bergmannsheil gibt es schafe Kritik von der Feuerwehr-Gewerkschaft
  • In den ersten entscheidenden 45 Minuten habe „keine koordinierte Brandbekämpfung“ stattgefunden
  • Feuerwehren benachbarter Städte seien erst eine Stunde nach dem Alarm um Verstärkung gerufen worden

Bochum.. „Im ersten Ansatz sind wir einfach zu schwach.“ Das sagte am Freitag der Bochumer Berufsfeuerwehrmann Udo Lipp, Sprecher der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, über die Personalstärke beim Brand im Bergmannsheil. „Wir sind zu wenig, das muss man einfach so sagen.“

Das habe dazu geführt, dass in den ersten 45 Minuten gar nicht richtig gelöscht worden sei. „In dieser Zeit konnte keine koordinierte Brandbekämpfung stattfinden.“ So hätten sich der Brand und der tödliche Rauch bis zum Dach ausbreiten können.

Um 2.36 Uhr ging der Alarm bei der Feuerwehr ein. Sechs Minuten später, so Lipp, waren die Kräfte von der einen Kilometer entfernten Innenstadtwache an der Bessemer Straße am Einsatzort – zwölf Männer. „Nicht viel angesichts der Großschadenslage“, so Lipp. „Mit zwölf Mann kann man nicht so arbeiten, wie es vorgesehen ist.“ Da sei „kein seriöses Arbeiten“ möglich. Und man könne noch von Glück sagen, dass überhaupt zwölf Kräfte für den Löschzug verfügbar gewesen seien, weil sonst oft ein Teil davon im Rettungsdienst oder für technische Hilfeleistung unterwegs sei.

Menschenrettung hatte beim Brand im Bergmannsheil natürlich Vorrang

Dem Berufsethos der Feuerwehr entsprechend hätten sich die Einsatzkräfte „in den entscheidenden ersten 45 Minuten“ dann zusammen mit dem Pflegepersonal zuerst um die Rettung der 126 Patienten gekümmert, um sie aus der Gefahr herauszubringen. Ohne das beherzte Eingreifen des medizinischen Personals wäre das unmöglich gewesen. Von den zwölf Feuerwehrmännern seien anfangs auch nur drei Trupps (je zu zweit) unter Atemschutz im Gebäude gewesen. Das sei „ein unzureichender Kräfteansatz“, deshalb müsse mehr Personal her.

Denn: „Wenn man sechs Minuten nach Auslösen eines Rauchmelders mit genügend Feuerwehrmännern am Einsatzort ist, kann man umgehend eine vernünftige Brandbekämpfung vornehmen, sonst brennt das Dach weg. Das ist hier geschehen.“

Erst „nach und nach“ seien weitere Feuerwehrkräfte eingetroffen, sagt Lipp. Die auswärtigen Wachen seien eine halbe Stunde nach Alarm um Verstärkung gerufen worden. Sein Fazit: „Ein geordnetes und den Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren entsprechendes Einsatzgeschehen ist so nicht umzusetzen.“ Zwar seien später insgesamt rund 300 Einsatzkräfte vor Ort gewesen, aber nicht in der entscheidenden Phase.

Lipp fragt auch, was geschehen könne, wenn Krankenhäuser brennen würden, die nicht so nah an einer Wache lägen. „Das St. Josefs-Hospital in Bochum-Linden liegt von der nächsten Feuerwache – in Wattenscheid – rund zehn Kilometer entfernt, das St. Maria-Hilf-Krankenhaus in Gerthe sieben Kilometer von der nächsten Feuerwache in Werne. Es gibt auch Pflegeeinrichtungen, in denen gerade nachts kaum noch Personal anwesend ist. Sicher wären in einer weniger zentral gelegenen Einrichtung deutlich höhere Verluste zu beklagen.“

 
 

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