Gespielt wird das Spiel des Lebens

Foto: diana kuester

Die Uhr tickt aus dem Off. 21 Menschen betreten die kleine Bühne; elf von ihnen sind zwischen 15 bis 25, der Rest zwischen 55 und 78 Jahren alt. Eine Mitte gibt es nicht. Sie laufen herum, sagen einander „Hallo“: Sie sind unschlüssig, sie müssen sich erstmal positionieren, irgendwie finden. Dann setzen und langweilen sie sich. Sie warten auf jemanden. Auf jemanden, der ihnen sagt, was zu tun ist im Leben. „Denn das Leben ist ein Hauch nur“, sagen sie unisono.

Aber die 21 haben etwas zu tun. Sie stellen eine Theatertruppe dar, die ein Stück inszenieren will. Nur: welches? Sie probieren es mit Shakespeare. „Macbeth“ geht immer. Mit ein paar Sätzen gibt Carina Langanki die ungastliche Lady. Und dann war’s das auch schon mit dem Schottenschnösel.

Also stürzt man sich auf Alltagsthemen: Schuld, Sexualität, Leben und Sterben. Themen, die alle etwas angehen, unabhängig vom Alter. Alles Mögliche wird angeschnitten, in oberflächlichen Inhaltsfetzen. Und dann wieder fallen gelassen. Immerhin: 70 ist das neue 50.

Schlüssig und reizvoll

Verena Meyers vom NRW-Wettbewerb „Reif für die Bühne“ ausgezeichneter Text „Proberaum Leben“ ist ziemlich flachbrüstig und zerfahren und trägt kaum die 65 Minuten Spieldauer, die Sandra Anklam mit erstaunlicher Verve inszeniert. Ihre Idee, die Jungen in alte und die Alten in moderne Klamotten zu stecken, ist schlüssig und reizvoll.

Die Darsteller hatten sich zuvor auf eine Art Anzeige hin gemeldet. Manche haben Theatererfahrung, manche nicht. Doch alle spielen mit Ernst und Energie, ringen dem Möchtegernthema Relevanz ab, wo sie sich bietet. Es ist ein Ensemblestück ohne Protagonisten. Und doch sticht Carina Langanki heraus: Sie ist Stichwortgeberin, besetzt die „wichtigen Parts“, hat den größten Textanteil.

Das Bühnenbild ist wie stets im Theater Unten spartanisch. Amelie Neblich hat sich für 21 weiße Quader entschieden, die sowohl als Sitzgelegenheit als auch als Projektionsfläche für Videoeinspielungen dienen, in denen die Akteure Werbespots persiflieren. Die Musik kommt von den live gespielten Mundharmonikas oder aus der Spieluhr. „Die Internationale“, „Girl from Ipanema“, „Spiel mir das Lied vom Tod“. Oder das vom Leben. Viele Vorhänge.

 

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