Geschwister zünden Brandbomben

Sven Westernströer
Corinna Pohlmann und Luca Zahn als Judith und David.
Corinna Pohlmann und Luca Zahn als Judith und David.
Foto: Marina Sell Cajueiro
Regisseurin Laura N. Junghanns bringt das Stück „Helden“ von Ewald Palmetshofer am Prinz-Regent-Theater auf die Bühne. Premiere am 7. Januar.

Bochum. Ein „Revier für Helden“ hat die neue Leiterin des Prinz-Regent-Theaters, Romy Schmidt, bei ihrem Dienstantritt im September ausgerufen. Jetzt gibt’s das namentlich passende Stück dazu: Mit „Helden“ aus der Feder des gefeierten österreichischen Dramatikers Ewald Palmetshofer stellt sich Regisseurin Laura N. Junghanns am Prinz-Regent vor – und verspricht einen „Wohnzimmer-Thriller“.

Vier Jahre lang studierte Laura N. Junghanns (24) Regie an der Folkwang-Uni und sorgte mit ihrer selbst geschriebenen Abschlussarbeit „Grauland“ Ende Oktober für Furore. Zuvor zeigte sie bereits Strindbergs „Ein Traumspiel“ am Theater Rottstraße 5.

In einer Schaumstoffzelle

Dass sie jetzt am Prinz-Regent-Theater inszeniert, ist Teil einer Kooperation mit der Folkwang-Uni: Einmal im Jahr bekommt ein Absolvent die Chance, hier auf größerer Bühne Eindruck zu machen. Zuletzt war dies Tim Hebborn mit „Reden mit Mama“. Und Laura N. Junghanns stellt sich der Herausforderung durchaus dankbar: „Jeder Auftrag ist gut“, meint sie. Wohl wissend, dass Regieaufträge an namhaften Theatern nicht immer leicht zu bekommen sind.

„Helden“ feierte im Jahr 2009 seine Uraufführung in Mülheim – und wird seither oft gespielt. Erzählt wird die Geschichte des Geschwisterpaares David und Judith, beide Anfang 20, das mit den Eltern in einem grundsoliden Einfamilienhaus in der Vorstadt lebt. „Im Stück heißt es, dass die beiden in einer Schaumstoffzelle leben“, sagt Laura Junghanns. „Dieses Motiv haben wir für unser Bühnenbild übernommen.“

Diskussionen nach Anschlägen von Paris

Zwischen den Geschwistern herrscht ein spannungsgeladenes Verhältnis. Judith und David wollen aus ihrer Wohlstandswelt ausbrechen und rufen dafür die Revolution aus: Sie verüben Brandanschläge – und sehnen sich dabei nach einem besseren, heldenhafteren Leben.

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Ob man ein Stück mit diesem Thema so kurz nach den tatsächlichen Anschlägen von Paris überhaupt noch spielen kann: Diese Frage habe man sich am Prinz-Regent-Theater durchaus gestellt. „Es geht ja nicht um Terrorismus“, meint Dramaturg Frank Weiß. „Der Autor beschreibt, wie zwei Menschen aus einer wohlsituierten Mittelstandsfamilie trotzdem diesen Weg einschlagen und Anschläge verüben.“ Wie man sich in „eine extreme Idee dermaßen hinein steigern kann“, das fand auch der junge Schauspieler Luca Zahn spannend. „Dass in zwei Menschen so etwas schlummert, zeugt auch von einer Menge Orientierungslosigkeit“, meint er.