Liebeserklärung im Streit

Jennifer Kalischewski
Foto: Fischer WAZFotoPool

Gerthe. „Clausi“ Scholz und „Ralle“ Ender werkeln in Gerthe für die TV-Sendung „Ab ins Beet“. Und erreichen damit Kultstatus.

Kamera ab! „Friedlichen Nachbar“ heißt die Kleingartenanlage in Gerthe, die heute einmal mehr zum Drehort fürs Fernsehen avanciert. Friedlich geht es aber gerade ganz und gar nicht zu. Denn auf Parzelle 89 wird geschuftet und – vor allem – gestritten. Der Hobbygärtner Ralf „Ralle“ Ender aus Herne packt seinem Freund Claus „Clausi“ Scholz beim Bau einer Gartenlaube kräftig unter die Arme.

Das heißt, eigentlich ist er derjenige, der das Kommando übernimmt, „schließlich komm’ ich aussem Trockenbau und hab Ahnung“, sagt er ungeduldig. Da kann auch Nicole „Nicki“ Schrab, die dritte im Bunde, nicht mithalten, obwohl sie doch auch schon Erfahrung habe. „Ich hab mal ‘n Klo mit meinem Oppa gebaut. So richtig mit Fundament und so ‘n paar Steinchen, genau wie hier“, wirft sie ein. Der Ton ist rau und von „Watts“ und „Datts“ gespickt. Lautstark gestritten wird aber nicht nur über den Speis und darüber, ob die Betonteile nun in Waage liegen oder nicht, viel Diskussionsstoff birgt auch Ralles Beziehungsleben.

Dann aber geht die Kamera aus und der Ton wird freundschaftlicher. So läuft es halt beim Dreh einer Doku-Soap. Parzelle 89 ist Schauplatz von 24 Folgen der Vox-Serie „Ab ins Beet“. „Es geht um die kleinen und großen Dramen im Leben eines Hobbygärtners“, fasst Regisseur Hilmar Hinkers den Inhalt der Serie zusammen. „Sie ist quasi eine Liebeserklärung an das Ruhrgebiet. Dabei dient der Gartenlaubenbau von Clausi nur als Kulisse, um unseren Helden aufs Maul zu schauen.“

Die Gartenhelden Clausi und Ralle haben tatsächlich schon Kultstatus erreicht, zum Teil auch über das Ruhrgebiet hinaus. „Teilweise bleiben bei den Dreharbeiten Leute am Gartenzaun stehen, nur um die beiden zu sehen.“ Kaum hat der Regisseur die Worte ausgesprochen, kommen tatsächlich Fans, die extra aus dem Emsland angereist sind, und wollen Fotos schießen.

Ein Jahr Dreharbeiten

Seit einem Jahr dauern die Dreharbeiten nun schon an. Vier Folgen der neuen Staffel wurden bereits ausgestrahlt. 20 weitere folgen. Noch gut ein halbes Jahr werden Clausi und Ralle also immer sonntags um 19.15 Uhr auf Vox bei ihren Hobbygärtner-Streitereien im Beet zu sehen sein. Bis dahin soll auch die Laube fertig werden – „soll“, aber nicht „muss“, lacht Ralf Ender: „Wenn sie aber am Ende der Staffel noch nicht steht, dann ist das halt so. Das ist eben Reality-TV.“

Ebenso unklar bleibt, wie viele weitere Drehtage im Bochumer Norden noch benötigt werden. „Das hängt immer davon ab, wie die Arbeiten an der Laube voran kommen“, weiß Hilmar Hinkers. „Wenn das Wetter mitspielt, kann ein Drehtag schon mal von morgens 10 Uhr bis zum Sonnenuntergang gehen. Manchmal können wir aber auch nur zwei, drei Stunden am Stück drehen“, ergänzt er.

Dann heißt es wieder weiterarbeiten. Der Kameramann schultert sein Gerät, der Regisseur gibt lautlose Kommandos und die drei Hauptdarsteller machen sich wieder ans Häuslebauen und – natürlich – ans Streiten.