Die große Kunst auf der Eierschale

Lutz Tomala
Foto: WAZ FotoPool

Grumme. Bei der elften Ostereierausstellung wurde Kunst rund um das und vor allem auf dem Ei präsentiert. Von Aquarellen auf Starusseneiern bis zu gebatikten Wachteleiern war alles dabei.

Ei anpieksen, auspusten und frisch drauflospinseln – Jedes Jahr vor Ostern werden die fast runden Hühnerprodukte so dilettantisch behandelt. Dass es auch anders geht, zeigte vergangenen Sonntag die Ostereierausstellung unter der Johanneskirche in Grumme. Eier aus aller Welt, vom Straußen- bis zum Wachtelei, wurden dort präsentiert, künstlerisch veredelt auf höchstem Niveau.

Seit zehn Jahren gibt es die kleine Kunstausstellung nun schon, „und dass, obwohl es hier – anders als in Bayern – gar keine Eiertradition gibt“, beklagte Organisatorin Doris Heymann. Also haben sie einfach mal das Ei vor dem Huhn angeboten und siehe da – der Erfolg gab den Eierfreunden recht. Über hundert Interessierte aus der Region besuchten die Ausstellung um sich die Werke der zehn Künstler anzuschauen und sie vielleicht sogar zu kaufen.

Schon allein das Schauen lohnt sich aber. Die verschiedensten Kunstrichtungen tummelten sich da auf den kleinen und großen ovalen Schalen. Da waren Batikeier, bei denen nacheinander bis zu 67 Farbschichten aufgetragen werden, wobei immer andere Stellen von Wachs geschützt werden. Regelrecht historisch waren Eier, die bespannt waren. Alte Mustertücher, Stickereien und Bordüren vereinten sich zu Collagen in blau, rosa und weißer Spitze. „Ein zweifacher Sammlerwert“, kommentierte Heymann, „die Stoffe sind echt historisch“. Direkt daneben lagen die modern gestalteten Eier mit Scherenschnitten. Mit chirurgischer Präzision ausgeschnittene Papiermuster – mit Fingerspitzengefühl und Geduld auf die gefärbten Eier aufgebracht -- tummelten sich da Käferfamilien und Igel auf den Eiern. Besonders die blassgrünen Schwaneneier taten sich hier hervor, weil sie keiner Grundierung bedürfen. „Das ist auch ganz praktisch, allein fürs Ausschneiden brauche ich schon mal drei Stunden“, lachte Heymann.

Nicht natürlichen Ursprungs waren dagegen die bestickten Plastikeier und die Holzeier, die zwei Stände weiter ausgestellt wurden. Gedrechselt, geschliffen und geölt glänzten die Eier aus verschiedenen Hölzern, wie Nuss, Flieder und sogar Baumpilz.

Außerdem gab es Acrylmalerei, Aquarelle und mit Ölfarben verzierte Eier. Besonders letztere waren nicht nur wegen der langen Trockenzeit besonders aufwendig. Mit feinstem Pinselstrich entfalteten sich ganze Landschaften in beeindruckendem Detailreichtum. Teilweise perforiert und mit der Lupe bearbeitet kosteten diese Kunstwerke bis zu 250 Euro. Für die jüngeren Besucher gab es dagegen Aquarelleier mit „Shreck“ und Harry Potter.

Rund ums Ei gab es ein buntes Angebot: Über hundert Hyazinthvasen aus Glas waren die Besonderheit der Ausstellung in diesem Jahr. Aus einer privaten Sammlung dienten sie auch als Eierbecher. Für das leibliche Wohl war übrigens ebenfalls gesorgt: Es gab Waffeln und auch da waren Eier drin.