Genießer testen Riesling

Im Lokal Aromafaenger in Bochum veranstaltete der Slowfood e.V. eine Riesling Verkostung. Im Bild schenkt Peter Krauskopf den Teilnehmern den Wein ein.
Im Lokal Aromafaenger in Bochum veranstaltete der Slowfood e.V. eine Riesling Verkostung. Im Bild schenkt Peter Krauskopf den Teilnehmern den Wein ein.
Foto: WAZ FotoPool
In Langendreer trafen sich Mitglieder von Slowfood e.V., um an einem bundesweiten Riesling-Weintest teilzunehmen. Blind zu verkosten waren sechs Weine aus verschiedenen Anbaugebieten.

Bochum.. „Fruchtig!“ - „Eher säuerlich“ - „Ich schmecke Stachelbeere“ - „Mehr so: Grapefruit!“. Die Meinungen über den ersten Riesling sind gespalten, im Tenor aber eher ablehnend bis verheerend. Definitiv kein Favorit.

Im kleinen Ladenlokal für Feinkost, „Aromafänger“ in der Alten Bahnhofstraße in Langendreer haben sich elf Mitglieder des Vereins Slowfood versammelt, um sechs verschiedene anonymisierte Rieslingweine zu probieren und zu bewerten. Die Ergebnisse melden sie per Internet an die Frankfurter Zentrale. Zeitgleich passiert die gleiche Prozedur in verschiedenen Slowfood-Convivien (so nennen sich die regionalen Zusammenschlüsse des Vereins) in ganz Deutschland. Ziel des Projekt ist es, herauszufinden, ob in verschiedenen Konsumentenregionen lokale Geschmacksvorlieben existieren.

80 Mitglieder im „Mittleren Ruhrgebiet“

Die Bochumer Verkostung wird durchgeführt vom Convivium „Mittleres Ruhrgebiet“, das sich 2005 auf Initiative der Herner Weinimporteure Meimberg gegründet hat und ungefähr dem IHK-Bezirk entspricht. Die Gruppen in Dortmund und Essen entstanden später. Inzwischen hat die „Bochum-Herner“ Slowfood-Gruppe gut 80 Mitglieder, die sich in unterschiedlicher Konstellation ungefähr einmal im Monat treffen.

Dann gibt es Restaurantbesuche, es wird für Kinder gekocht, Produzenten und Großhändler werden besucht oder Vorträge gehört. Alles im Geiste der Slowfood-Bewegung, die 1986 von Carlo Petrini gegründet wurde, rund um den Protest gegen die Eröffnung einer McDonalds-Filiale an der Spanischen Treppe in Rom. Petrini definierte die Maßstäbe an die Genuss und Ernährung 2006 als „Gut, sauber und gerecht“.

Die richtigen Gläser

Diesem Motto fühlt sich auch Gudrun Kaltenborn verpflichtet. Beruflich ist sie Bauleiterin im Garten- und Landschaftsbau der Stadt Herne. Hier ist sie verantwortlich für die Verkostung, hat dazu Bio-Käse und -Brot besorgt. Es gilt für die „Slow-Fooddies“ durchzuprobieren, Stichworte zu notieren und Punkte zu vergeben. Peter Krauskopf, einer der Mitgründer des Conviviums, bekannt auch als einstiger Chefredakteur des Stadtmagazins Marabo und nun beliebter Food-Blogger (http://genussbereit.blogspot.com/), gibt den Mundschenk. Einige Sektgläser stoßen bei ihm auf Unwillen: „Nehmt doch die richtigen Weingläser“, rät er den anderen Testern.

Zwischen „So stelle ich mir einen Riesling vor!“ und einem naserümpfenden „Könnte von der Nahe sein“ fliegen die fachkundigen Kommentare. Nach zwei Durchgängen geht es ans Urteilen. Aromafänger-Betreiber Rüdiger Hagen übermittelt die Daten und die Stichworte. Die ersten Ergebnisse anderer Convivien sind schnell sichtbar. Überraschend: die Tester in Essen hatten sich sehr eindeutig auf den „weiß“ etikettierten Tropfen geeinigt. Der hatte hier in Langendreer durchaus Fans, belegte aber nicht den ersten Platz bei den Weinfreunden.

Auswertung braucht noch

Die Auswertung wird noch etwas Zeit benötigen. Die Hauptsache aber: Spaß hat es gemacht. Und der erste Wein, der kam aus Sachsen.

 

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