Generalmusikdirektor Sloane beginnt 20. Saison in Bochum

Jürgen Boebers-Süßmann
Steven Sloane vor einem Werbe-Plakat  aus dem Jahr 1995.
Steven Sloane vor einem Werbe-Plakat aus dem Jahr 1995.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Am Wochenende beginnt mit dem 1. Sinfoniekonzert die neue Spielzeit für die Bochumer Symphoniker. Es ist die 20. Saison von Generalmusikdirektor Steven Sloane (56), der in zwei Jahrzehnten den überregionalen Ruf des Orchesters ebenso steigern konnte wie dessen künstlerische Qualität.

Bochum. Nach wie vor fühlt sich der US-Amerikaner in unserer Stadt sehr wohl; die Plakate „Please welcome Mr. Sloane“, die 1994 überall in Bochum hingen, wirken offenbar nach. Erst im Sommer hatte Sloane, der als VfL-Fan und Träger der Fiege-Bierkutschermütze längst zum „Bochum-Boy“ geworden ist, seinen Vertrag bis 2020 verlängert.

Als entscheidende Herausforderung der nächsten Jahre sieht Steven Sloane das Musikhaus, das als Spielstätte für die BoSy zu einer festen Größe im Kulturbetrieb des Ruhrgebiets werden soll. Die Fertigstellung ist für Sommer, die Eröffnung für Herbst 2015 fest geplant. Ein WAZ-Gespräch mit dem Generalmusikdirektor.

Gestern war Ihr erster Arbeitstag nach dem Sommerurlaub, wie war’s?

Steven Sloane: Der Tag hätte nicht besser beginnen können. Als ich an der Viktoriastraße am Musikzentrum vorbeifuhr, hatte ich Freudentränen in den Augen, als ich sah, wie viel dort inzwischen passiert ist. Die Professionalität und der Einsatz, die ich sehe und bei allen Beteiligten erlebe, ist phänomenal.

Die neue Saison, die am Wochenende beginnt, wird ihre nunmehr 20. in Bochum sein. Mit welchen Gefühlen denken Sie an den Start 1994 zurück?

Sloane: Mit dem Gefühl, privilegiert zu sein, in dem was ich hier tun konnte und tue, und wie ich hier aufgenommen worden bin. Von Anfang an herrschte ein gutes gegenseitiges Vertrauen zwischen mir und allen in der Stadt, das bis heute geblieben ist.

Warum kamen Sie damals nach Bochum?

Sloane: Die Kulturdezernentin Ute Canaris hatte mich angesprochen. Es ging darum, ein Orchester neu aufzubauen und den musikalischen Standard zu erhöhen.

Aber es gab das Orchester seit über 70 Jahren...

Sloane: Schon. Aber es sollte von seiner Basis her neu entstehen. Die Öffnung auch über den streng klassischen Kanon hinaus war eine der Aufgaben, das Zuschauerinteresse war anfangs ja nicht so ausgeprägt. Wir mussten sagen und zeigen: Wir sind da! Wir gehören zur Stadt!

Was hat sich in den zwei Jahrzehnten getan?

Sloane: Das Orchester hat einen steilen künstlerischen Aufstieg genommen. Die klanglich-musikalische Qualität von damals und heute ist nicht zu vergleichen, das ist wie Tag und Nacht. Das hat mit der Vehemenz zu tun, mit der gearbeitet wurde, aber auch mit dem Einsatz jedes einzelnen. Zwei Drittel der Orchestermusiker sind während meiner Zeit gekommen; wir haben alle viel voneinander gelernt, ich auch, vom Orchester.

Wie ist die Außenwahrnehmung der BoSy heute einzustufen?

Sloane: Wir sind eines der führenden Orchester hierzulande. Das zeigen auch die Anfragen, die uns erreichen, übrigens nicht nur solche aus dem Ruhrgebiet. Das Selbstbewusstsein ist ein ganz anderes als früher. Jetzt geht es darum, den erreichten Standard nicht nur zu halten, sondern ihn noch auszubauen.

Welche Rolle spielt das Musikhaus dabei?

Sloane: Eine wichtige! Bislang sind wir ein Orchester auf Wanderschaft, das sich sehr viel mit außermusikalischen Herausforderungen herumschlagen muss, etwa was die ständigen Umzüge ins Audimax oder ins Schauspielhaus angeht. Im Musikhaus werden wir eine feste Basis haben, ein eigenes Haus, von dem aus und in dem wir ungestört arbeiten können. Das wird der Qualität unserer Arbeit zwangsläufig zu Gute kommen.