Gemeinsam den Alltag meistern

Die Schlaganfallpatientin Hannelore (77, re.) hat den Rückhalt in der häuslichen Pflege durch Sohn Harry (57) und Schwiegertochter Christia (49, Mi.).
Die Schlaganfallpatientin Hannelore (77, re.) hat den Rückhalt in der häuslichen Pflege durch Sohn Harry (57) und Schwiegertochter Christia (49, Mi.).
Foto: Haenisch / waz fotopool
Die 77-jährige Hannelore Friedrich ist nach einem Schlaganfall auf Pflege angewiesen. Ihre Familie hat sich entschieden, sie zu Hause zu betreuen.

Bochum.. Hannelore Friedrich war eine Frau der Tat und ist es noch immer. Mit großer Kraft zieht sich die 77-Jährige heute an der Bettkante in den aufrechten Stand. Doch seit sie am 24. Februar 2014 wegen eines Schlaganfalls ins Knappschafts-Krankenhaus Langendreer eingeliefert wurde, ist nichts mehr wie zuvor. Rechtsseitig gelähmt und ohne Sprachvermögen musste sie sich den jetzigen Stand erst erarbeiten.

„Der enorme Wille von Frau Friedrich ist eine unschätzbare Ressource“, sagt Sina Dudda (34), die als Altenpflegerin, Pflegeberaterin und Case-Managerin im St. Maria-Hilf-Krankenhaus arbeitet. Dort lernte sie Hannelore Friedrich und ihre Familie während der Frührehabilitation kennen. „Es ist wichtig, einen Ansprechpartner zu haben. Wir wussten ja überhaupt nicht, was wir tun sollen, wenn sie bei uns zu Hause ist“, erinnert sich Sohn Harry Friedrich.

Nicht alleine lassen

Für den 57-jährigen ehemaligen Opel-Mitarbeiter und seine Ehefrau Christiane (49) war von Anfang an klar, dass sie die Mutter in dieser schwierigen Lage nicht alleine lassen würden. Seit dreißig Jahren lebt die Familie unter einem Dach in Werne. Viele Jahre hat Hannelore Friedrich für die Familie gewaschen, gekocht, den wunderbaren Garten gepflegt und ihrem Sohn und seiner Frau den Rücken frei gehalten.

Das Angebot der „Familialen Pflege“ kam für Familie Friedrich wie gerufen. Das Projekt in Kooperation mit der Universität Bielefeld bietet Angehörigen in Pflegesituationen seit 2011 auch in Bochum Beratung, Schulung und Gespräche an. Dazu gehören beispielsweise die Wohnraumbesichtigung, um nötige Pflegehilfsmittel planen zu können, Hilfe beim Umgang mit Medikamenten und psychosoziale Unterstützung. Die Kosten trägt die Pflegekasse bei einer beantragten Pflegestufe.

Anspruch auf Unterstützung

Bis sechs Wochen nach Entlassung aus dem Krankenhaus haben laut § 7a SGB XI Angehörige, die ihre Familienmitglieder zu Hause pflegen möchten, den gesetzlichen Anspruch auf diese Unterstützung durch einen Pflegeberater. „Wir hatten am Anfang enorme Angst davor, wenn wir nachts mit Mama alleine sind. Frau Dudda hat uns diese Angst genommen“, sagt Christiane Friedrich. Zwar kann ihre Schwiegermutter die rechte Körperseite mittlerweile wieder etwas bewegen und hat auch die Sprache wiedergefunden, doch selbstständig laufen – das schafft die kräftige Frau im Moment noch nicht. Auch der Toilettengang bereitet ihr Schwierigkeiten.

„Wir haben in der Schulung eigentlich alles gelernt: Wie wir die Windeln wechseln, wie wir sie aus dem Bett heben und wie wir das Bett beziehen, während sie drinnen liegt“, erläutert der Sohn der Bochumerin. „Es ist im Grunde ein Mini-Lehrgang für eine Pflegekraft“, subsumiert Dudda.

Bewusst gewähltes Schicksal

Die Anstrengung für die Familie ist enorm, nicht nur wenn es heißt, sich mitten in der Nacht um die Notdurft der Mutter zu kümmern. Es ist kein leichtes, doch ein bewusst gewähltes Schicksal „Der Wunsch, zu Hause zu pflegen, war hier von Anfang an da. Ein Geheimrezept ist sicher, dass sie zu zweit sind, es lastet schon ein enorm hoher Druck auf der Familie“, sagt die Pflegeberaterin Sina Dudda. Doch mit einem Quäntchen Glück und viel Kraft erreicht Hannelore Friedrich auch das von Ehemann Günther Friedrich (78) gesetzte, eindeutige Ziel: Er möchte wieder im eigenen Wagen mit seiner Frau zum Einkaufen fahren.

 
 

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