Gegen den Bundespräsidenten schießt Sigmar Gabriel nicht

Sigmar Gabriel in einem hoffnungslos überfüllten Hörsaal der Ruhr-Universität. Foto: Matthias Graben
Sigmar Gabriel in einem hoffnungslos überfüllten Hörsaal der Ruhr-Universität. Foto: Matthias Graben
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Vor Studenten der Ruhr-Uni spricht der SPD-Chef über Europa, Mindestlohn, das verlorene Vertrauen in die Politik oder Willy Brandts alten Leitsatz „Mehr Demokratie wagen“. Eine Spitze zur Kredit-Affäre lässt er sich nur durch die Blume entlocken.

Bochum. Nein, eine süffisante Spitze über den Bundespräsidenten und die Kredit-Affäre lässt sich SPD-Chef Sigmar Gabriel bei seinem Auftritt vor Studenten der Ruhr-Uni nicht entlocken, auch wenn sich mancher im Saal dies sicher gewünscht hätte. „Wenn Sie mich nicht über wichtige Entscheidungen im Schloss Bellevue befragen, dann danke ich Ihnen im voraus“, meint Gabriel eingangs gut gelaunt und erntet dafür spontanen Beifall.

Einige seiner Sätze mag man zwar durchaus in Richtung Christian Wulff und den Anruf bei der Bild-Zeitung deuten, doch Gabriel bleibt distanziert wenn er sagt: „Es geht nicht darum, dass man keine Fehler machen darf. Es geht nur darum, wie man damit umgeht.“

Auf Einladung der Fakultät für Sozialwissenschaft ist der SPD-Chef zur Uni gekommen, wo ihn ein Hörsaal erwartet, der sprichwörtlich aus allen Nähten platzt. Schon weit vor Beginn seines Vortrags mit anschließender Diskussion quetschen sich die Studenten auf den Treppen und in den Eingängen, um dem prominenten Besuch aus Berlin zu lauschen. „Dann scheint es mit der Politikverdrossenheit wohl doch nicht so weit her zu sein“, scherzt Gabriel. Am Stand der Jusos im Foyer müht sich der SPD-Nachwuchs redlich, den Ansturm der Studenten halbwegs gleichmäßig zu verteilen, aber vergebens. Begleitet von zwei Leibwächtern bahnt sich Gabriel einen Weg durch die Menge.

Auftakt einer Vorlesungsreihe

Der Besuch des SPD-Chefs bildet den Auftakt einer Vorlesungsreihe zum einem ernsten Thema: „Herausforderungen der Demokratie im 21. Jahrhundert“, lautet das Motto. Dazu hat Dekanat Prof. Jürgen Straub gleich die komplette Führungsriege der im Bundestag vertretenen Parteien zu Besuchen eingeladen. „Sigmar Gabriel war der erste, der zugesagt hat“, meint Straub. Ob und wann auch Merkel oder Rösler der Einladung folgen, sei bislang noch offen.

Wichtig ist dem Dekanat dabei, dass die Polit-Profis ihre Auftritte vor studentischem Publikum nicht mit Wahlkampf verwechseln. „Es soll schon eine Lehrveranstaltung bleiben und kein Prominenten-Rennen“, so Straub.

Schwergewichtige Themen

An diese Vorgabe hält sich Sigmar Gabriel durchaus. Rhetorisch geschickt und kurzweilig bringt ihn sein knapp einstündiger Vortrag von einem schwergewichtigen Thema zum nächsten. Ob Mindestlohn, EU-Rettungsschirm, Minijobs, Nokia, das Zusammenwachsen Europas oder das verlorene Vertrauen der Menschen in die Politik: Gabriel streift all dies energisch und gleichsam leichtfüßig. Willy Brandts Motto „Mehr Demokratie wagen“ gelte damals wie heute und sei nahezu das einzige Mittel, der Ohnmacht vieler Menschen gegenüber der Politik entgegen zu wirken.

Zuvor war Gabriel bereits zu Gast bei einer Gesprächsrunde der Knappschaft-Bahn-See an der Pieperstraße und informierte sich dort über den Wettbewerb im Krankenkassenmarkt.

 
 

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