Geflohener Verbrecher aus JVA Bochum ist gefasst

Nachdem zwei Verbrecher im vergangenen Jahr aus der JVA Bochum fliehen konnten, verschwand auch am Montag, 16. Januar, ein 50-Jähriger, der wegen Raubes mit Todesfolge einsaß. Foto: WAZ FotoPool
Nachdem zwei Verbrecher im vergangenen Jahr aus der JVA Bochum fliehen konnten, verschwand auch am Montag, 16. Januar, ein 50-Jähriger, der wegen Raubes mit Todesfolge einsaß. Foto: WAZ FotoPool
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In der JVA Bochum war ein Verbrecher verschwunden. Er saß wegen Raubes mit Todesfolge - dabei starb 1983 eine Frau - und später wegen sexueller Nötigung eines seiner Raubopfer ein. Am Nachmittag entdeckten ihn Bedienstete unter dem Dach der JVA und nahmen ihn wieder fest.

Bochum.. Aus dem Bochumer Gefängnis „Krümmede“ war am Montag ein Gefangener verschwunden. Die Polizei suchte ihn seit dem frühen Montagmorgen mit einem Hubschrauber und Spürhunden. Am Nachmittag wurde der vermeintlich geflohene Häftling von JVA-Bedienstete gefasst, sie hatten ihn unter dem Dach der Anstalt entdeckt!

Als Strafvollzugsbeamte der JVA morgens um 6 Uhr das Frühstück in die Einzelzelle des 50-jährigen Häftlings bringen wollte, war niemand mehr dort. Wann und wie genau der Mann aus seinem Haftraum türmen konnte, ist noch unklar. Es waren aber die Gitterstäbe seiner Zelle durchsägt; mit welchem Werkzeug, ist noch unbekannt. Meldungen über den Einsatz eines Bettlakens wurden bisher nicht bestätigt.

Zuletzt war der Mann am Sonntagabend um 18 Uhr in seiner Zelle gesehen worden. Deshalb ist auch der genaue Zeitpunkt seiner Flucht unbekannt.

Raub mit Todesfolge und sexuelle Nötigung eines „Mustergefangenen“

Er sitzt wegen Raubes mit Todesfolge im Jahr 1983 - damals starb eine Frau - eine „lebenslängliche Freiheitsstrafe“ ab. Im Jahr 1998 hatte er aber erneut eine Raubtat begangen. Er galt damals als Mustergefangener und durfte Arbeiten für die JVA Düsseldorf auch außerhalb des Gefängnisses verrichten. Diese Haftlockerung nutzte er für einen Raubüberfall, bei dem zusammen mit einem Mittäter 58.000 Mark erbeutete. Dafür bekam er 11,5 Jahre Haft. Verurteilt wurde er auch wegen sexueller Nötigung eines seiner Raubopfer. Ein Gericht hat auch die Sicherungsverwahrung angeordnet. Deshalb muss der Häftling wohl auch heute noch als gefährlich angesehen werden. Näheres zu seiner kriminellen Laufbahn und der Strafvollstreckung soll im Laufe des Tages bekannt gegeben werden.

Der Häftling war in einem Haftraum in der obersten Etages eines mehrstöckigen Hafthauses untergebracht. Von dort flüchtete er durchs Fenster nach Polizeiangaben auf ein Satteldach und dann über ein Flachdach. Zum Schluss muss er wohl irgendwie über die Mauer der JVA gelangt sein. Von einem Seil ist die Rede. Die Polizei geht davon aus, dass er im Außenbereich einen Helfer gehabt hatte.

Hubschrauber sucht das ganze Stadtgebiet ab

Die Polizei hatte den Schwerverbrecher mit einem Hubschrauber gesucht. Er kreiste den ganzen Morgen über der JVA und der Stadt Bochum. Bisher war die Suche erfolglos.

Die JVA hat sich bisher nicht zu den Umständen der Flucht geäußert. Auch nicht dazu, ob der Mann bewaffnet ist. Für den rein juristischen Ablauf der Strafvollstreckung ist die Staatsanwaltschaft Düsseldorf zuständig. Im Laufe des Tages soll ein Foto von dem Mann veröffentlicht werden, er wird zur Fahndung ausgeschrieben.

Ausbrecher sei alles zuzutrauen

Der NRW-Landesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbeamten, Peter Brock, sagte der WAZ, dass der Häftling „eine tickende Zeitbombe“ sei. Er kenne den Mann. „Dem traue ich alles zu. Der ist schon brisant.“ Im Strafvollzug habe sich der Mann immer „fit“ gehalten. Brock beklagte, dass die JVA Bochum mit ihren teils über 100 Jahre alten Gemäuern teilweise nicht die aktuellen Sicherheitsvorkehrungen habe. „Bochum hat eine alte Bausubstanz.“ Es würden zum Beispiel Detektoren an der Fassade fehlen, die Bewegungen an der Hauswand sofort per Alarm melden würden - quasi ein elektronischer Schirm. Auch das Sicherheitssystem an Zäunen sei - anders als in modernen Haftanstalten - nicht das aktuellste.

Die JVA Bochum ist die drittgrößte geschlossene Haftanstalt in NRW, nach Köln und Werl. Rund 730 Straftäter sitzen dort ein. Das Gefängnis hat Platz für 780.

Schon vor einem Jahr gelang einem Häftling die Flucht

Erst vor einem Jahr war ein Libanese (26) auf spektakuläre und lebensgefährliche Weise aus der JVA Bochum ausgebrochen. Er entwich durch eine Dachluke, sprang von einem Flachdach sechs Meter in die Tiefe und dann noch einmal aus fünf Metern Höhe auf die Straße. Bis heute ist er nicht wieder gefunden worden. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Dortmund hatte vor wenigen Tagen der WAZ erklärt: „Ich gehe davon aus, dass er sich abgesetzt hat.“ Vermutlich in sein Heimatland Libanon, nimmt sie an. Er hatte wegen eines Raubes auf einen großen Dortmunder Supermarkt in U-Haft gesessen.

Auch im vergangenen August hatte es ein Häftling der JVA Bochum geschafft, zu fliehen. Ein 35-jähriger Türke hatte eine so genannte „Ausführung“ zu seiner Familie in Hattingen dazu benutzt, das Weite zu suchen. In einem unbeobachteten Moment kam er den JVA-Bediensteten, die ihn begleitet hatten, aus den Augen und flüchetete aus der Wohnung seiner Familie. Bis heute ist er nicht wieder aufgetaucht. Er hätte bis Mai 2016 wegen räuberischer Erpressung und Diebstahls einsitzen müssen.

Der CDU-Innenexperte Peter Biesenbach forderte am Montag nach den wiederholten Ausbrüchen aus der JVA Bochum-Krümmede einen Bericht des Justizministers im Rechtsausschuss.

 
 

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