Gefeuerter Busfahrer aus Bochum siegt vor Arbeitsgericht

Bernd Kiesewetter
Viel Gedrängel und Lautstärke sind Alltag in Bussen. Die Bogestra sagt, das müssen Fahrer aushalten.
Viel Gedrängel und Lautstärke sind Alltag in Bussen. Die Bogestra sagt, das müssen Fahrer aushalten.
Foto: FUNKE Foto Service
Ein Busfahrer der Bogestra hat erfolgreich gegen eine fristlose Kündigung geklagt. Er soll im Bus ein Kind geschlagen haben - was er bestreitet.

Bochum. Ein Busfahrer (40) der Bogestra sieht sich als Opfer einer Falschaussage. Er war fristlos entlassen worden, weil er ein Kind gegen den Arm geschlagen haben soll. Doch das bestreitet er. Gestern zog er vor das Arbeitsgericht. Er will seine Anstellung zurück. Zumindest in der ersten Instanz bekam er Recht.

Der Fall gibt einen Einblick in den Alltagsstress eines Busfahrers. Der zweifache Familienvater fuhr am Mittag des 14. September vorigen Jahres mit dem CE 31 von Bochum nach Hattingen. Der Bus war voll, auch mit Schülern. Unterwegs, auf Hattinger Gebiet, fühlte er sich, wie er sagt, von einem etwa zwölfjährigen Jungen stark in seiner Konzentration gestört. Das Kind habe direkt neben ihm laut mit einem Mitschüler geredet. Mehrfache Ermahnungen, bitte nach hinten zu gehen, habe er nicht nur ignoriert, sondern auch noch zu einer Frau gesagt: Mal gucken, was passiert, wenn ich mich über den Busfahrer beschwere!

Busfahrer sah den Vorfall als erledigt an

Die Frau, auch sie Fahrgast, habe sich eingemischt und ihm ebenfalls Vorwürfe gemacht. Und dies so massiv, dass er sie nach mehreren erfolglosen Bitten, ruhig zu sein, des Busses verwies. An der Henrichshütte sei auf Vorschlag der Frau sogar die Polizei gerufen worden. Diese habe auf das „Hausrecht“ des Fahrers hingewiesen, so dass die Fahrt ohne die Frau weiterging.

Der Busfahrer sah den Vorfall damit als erledigt an. Weil die Frau sich nachher aber bei der Bogestra beschwert hatte, wurde er am 24. September gekündigt. Seitdem ist er arbeitslos. Drei Monate bekam er gar kein Geld (Sperre vom Jobcenter wegen Kündigung), seitdem erhält er Arbeitslosengeld I.

„Wir erwarten, dass Busfahrer das ertragen können“

Die Bogestra glaubte der Zeugin. Und dem Kind, das einen vorsätzlichen Schlag ebenfalls bestätigte. Der Busfahrer aber sagt: „Wenn ich irgendjemanden geschlagen hätte, dann hätte dies doch jemand bereits im Bus gesagt, als die Polizei da war.“ Höchstens habe er das Kind völlig unabsichtlich berührt, als er einmal nach hinten durch den Bus gegangen sei.

Eine Rechtsassessorin der Bogestra betonte vor Gericht, dass der Busfahrer wohl nicht stressresistent sei. „Absoluter Stress“ und laute Kinder seien „normaler Alltag“. „Wir erwarten, dass Busfahrer das ertragen können.“ Nur weil Kunden mal schreien, könne man nicht einfach stoppen und die Polizei rufen – „das geht nicht“.

Vor Gericht wurde der Kläger von mehreren Kollegen moralisch unterstützt. Auch in ihrer Runde wurde eine Stressbelastung durch lärmendes oder randalierendes Verhalten einiger Kunden beklagt. Der Betriebsrat soll der Kündigung damals nicht zugestimmt haben.

Die 3. Kammer des Gerichts hörte gestern keine Zeugen. Sie entschied nur darüber, ob die Bogestra bei der Anhörung des Betriebsrates zu der Kündigung Fehler gemacht hatte. Das war wohl der Fall: „Die Beklagte wird verurteilt, den Kläger als Busfahrer zu unveränderten Bedingungen weiterzubeschäftigen.“