Bochum

Gefangenen-Band spielt vor Insassen der JVA Bochum – so lief der Auftritt

Foto: Jürgen von Polier

Bochum. Ein ganz besonderes Konzert gab es am Mittwoch in der JVA Bochum. Erstmals trat in Bochums „Krümmede“ eine Band vor Insassen auf, die selbst aus Gefangenen des Hauses besteht. Ihr Name: „Die Hausband“.

„Das sind natürlich Gefangene, bei denen man sicher sein kann, dass sie sich bei der Probe benehmen“, sagt Pressesprecherin Candida Tunkel. Denn es sei schon eine Art von Vergünstigung für die Gefangenen.

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Erdacht und umgesetzt hatten die Idee Burghard Boyke von der evangelischen Seelsorge und die Integrationsbeauftragte Çağlayan Atis.

Boyke sagt: „Wir haben hier in der JVA gerade eine Generation an Insassen, die richtig gut Musik machen kann. Das sind natürlich Einzelkämpfer. Und dass das zu einem Ergebnis führt, ist einfach toll.“

Mitglieder haben unterschiedlichen Background

Seit mehreren Wochen haben die sechs Männer im Alter von 27 bis 40 Jahren für den Auftritt geübt – und stehen zur Belohnung nun vor Mitgefangenen und Angehörigen in einer Halle der JVA.

Die Instrumente: Zwei elektrische Gitarren, ein E-Drum, ein Cajón und zwei Saz, ein Lauten-Instrument, das unter anderem in Afghanistan gespielt wird.

Die Mitglieder haben alle einen unterschiedlichen musikalischen Background. So kommt es, dass nicht nur ein selbst komponierter Rapsong des Inhaftierten Ilja U. („Sie schreibt nicht“) vorgetragen wird, sondern auch die Böhsen Onkelz („Für Immer“) oder „Feelings“ von Morris Albert.

„Für einen kurzen Moment nicht mehr wie ein Tier im Käfig“

Ilja U. (37), der seit zwei Monaten wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in der Bochumer JVA sitzt, sagt: „Musik ist unsere Leidenschaft. Wenn man spielt, dann fühlt man sich für einen kurzen Moment nicht mehr wie ein Tier im Käfig.“

Jörg S. (40), wegen Drogen und Betrug im Gefängnis, ergänzt: „Es ist eine gute Art, seine Gefühle auszudrücken. Ich kann den Leuten sagen, dass sie mich ankotzen. Mit Musik im Hintergrund ist das erlaubt.“ Es sei spannend, vor Leuten zu spielen, die zusammen auf 700 Jahre Gefängnis kämen, grinst er.

Anstaltsleiter König wird ausgebuht

Bei ihrem Auftritt wird die Band von den Mitgefangenen gefeiert. Das ist nicht verwunderlich. Schließlich kommen die Musiker aus den eigenen Reihen der Besucher. Ein bisschen erinnert das an den Auftritt einer Schulband.

Als Organisator Boyke ins Mikrofon sagt, dass er an dieser Stelle auch Anstaltsleiter Thomas König begrüßen möchte, buht und pfeift die Menge. König selbst steht im hinteren Bereich der Halle und grinst darüber. Wie ein souveräner Schulleiter.

 
 

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