Für Stahlarbeiter geht es um Zukunft des Standorts Bochum

Michael Weeke
Vor dem Werkstor von ThyssenKrupp Steel Europe (Essener Str., Bochum) streiken Mitarbeiter der Betriebe ThyssenKrupp Steel Europe, Outokumpu, Bochumer Verein und Doncasters.
Vor dem Werkstor von ThyssenKrupp Steel Europe (Essener Str., Bochum) streiken Mitarbeiter der Betriebe ThyssenKrupp Steel Europe, Outokumpu, Bochumer Verein und Doncasters.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Rund 1300 Stahlarbeiter beteiligten sich am Mittwoch beim Warnstreik. Dabei geht die Sorge vieler Mitarbeiter bei Outokumpu und Thyssen-Krupp weiter. Sie haben konkrete Angst, dass nach einem Schließen des Nirosta-Edelstahlwerks möglicherweise der ganze Standort in Schieflage gerät.

Bochum. Beinahe ein übliches Streikbild. Vor Tor-Süd von Thyssen-Krupp Stahl an der Essener Straße drängen sich rund 1000 Stahlarbeiter. Am zweiten Standort an der Castroper Straße finden sich gleichzeitig rund 300 Menschen ein. Doch bei diesem Warnstreik geht es um mehr als die geforderten 5 Prozent Lohnerhöhung und weitere strukturelle Verbesserungen: Es geht um die Zukunft der Stahlstadt Bochum.

Während Eva Kerkemeier als 1. Bevollmächtigte der IG Metall und Klaus Löllgen vom IG Metall-Bezirk die Eckpunkte dieser Tarifauseinandersetzung schildern, sind viele der Arbeiter mit ihren Gedanken schon weiter. Um 13 Uhr steht eine außerordentliche Betriebsversammlung bei Outokumpu auf der Tagesordnung.

Nach Informationen der WAZ will der finnische Stahlkonzern nun ernst machen mit seinen Schließungsabsichten. Nachdem eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, wie sie eigentlich die alte Zusage des Unternehmens vorgesehen hatte, für die Bochumer Edelstahlschmelze wohl außerordentlich guten Zahlen ergeben haben soll, werde nun Qualität und Leistung der Standorte verglichen. In den Wintermonaten sollen die Aggregate in Finnland und Schweden beweisen, dass sie in der Lage sind die Bochumer Stahlgüten zu liefern.

Zitterpartie um Nirosta-Werk geht weiter

Und die Logistik dürfte eine Rolle spielen. Zur Erinnerung. Im letzten Winter musste ein Outokumpu-Stahlfrachter wegen Vereisungsgefahr eine Zwangspause in der Ostsee einlegen. Für die nachgeschalteten Outokumpu-Werke in Deutschland begann eine Zitterpartie, denn ohne das Vormaterial läuft da nichts. Denn, wenn Bochum einmal dicht ist, sind die Werke in Deutschland auf Material aus Skandinavien angewiesen.

Konkret spürt das Thyssen-Krupp Walzwerk jetzt, was es bedeuten würde, falls der Ofen in Bochum tatsächlich im nächsten Jahr abgeschaltet würde. Betriebsratschef Harald Pfennig zur WAZ: „Wir sind in der Lage 365.000 Tonnen Stahl im Jahr zu walzen, vorgesehen sind aktuell rund 200.000 Jahrestonnen.“ Eine Hoffnung für den Standort hatte darin gelegen, das Nirosta-Stahlwerk umzurüsten. Wie die WAZ erfuhr, hätte Thyssen-Krupp dafür bis zu 60 Mio. Euro in die Hand nehmen müssen. Eine Investition, die der Essener Stahlriese bei der momentanen Situation offenbar scheut.

Trotzdem: Die IG Metall freute sich über die große Unterstützung bei den aktuellen Warnstreiks.